Das Baumloch im Göhrener Hövt

Blogger 23. Januar 2018 März 12th, 2019 Fundstücke, Göhren, Inselgeschichte(n), Rügen-Blog, Sage / Legende

In Göhren wendet man sein Gesicht immer dem Wasser zu

Wenn der Urlauber in Göhren angelandet und sich der einmalig schönen Lage des Ostseebades bewußt geworden ist, wenn er erkannt hat, dass Göhren nahezu vom Wasser umgeben ist und ihm so die Möglichkeit geboten wird, je nach Windrichtung zu entscheiden:

Gehe ich an den naturbelassenen Südstrand, wo kaum Trubel ist, nur wenige Strandkörbe zu finden sind, kein Eiswagenglöckchen bimmelt (aber durchaus vergnügte Hunde über die Strandburg toben) und man seine nackten Bäuche nicht versteckt oder nehme ich den kultivierten Nordstrand, diese herrliche weite Bucht mit Blick auf die Kreidefelsen vom Nationalpark Jasmund, wo allerdings Strandmuscheln dicht gesät stehen, aber die besten Ostseewellen zum Schwimmen und Toben im Meer einladen?

Oder schaue ich zuallererst wo ich bin – wo geht die Küstenlinie denn entlang, wo ist es denn, das Göhrener Hövt, wie verläuft er denn, der „Grüne Wanderweg“, auf dem man sein Gesicht immer dem Meere zu wenden soll? Angeblich? Also los.

Der „Grüne Wanderweg“ um Göhren

Er beginnt unterhalb des Hotels „Hanseatic“ am Ende der Max-Dreyer-Straße, führt am „Drachenhaus“ vorbei, erbaut vom Schriftsteller Max Dreyer – Wohnhaus der Künstlerfamilie Tom und Peter Beyer – und dann direkt in den Mischwald Göhrener Hövt.

Immer schön rechts halten, denn links sieht der Wanderer am Hochuferblick die Seebrücke und die Bucht nach Sellin, weiter nach Sassnitz. Und so geht es vermeindlich immer geradeaus.

Mitnichten.

Denn sanft und fast unbemerkt erwandert man sich die gesamte Küstenlinie, um den Ort Göhren herum von Nord nach Süd.

Nach ca. 50 Minuten hat man plötzlich einen ganz anderen Blick: der Wald gibt die Sicht frei auf den Greifswalder Bodden, zur Insel Oie, und unterhalb des Hochufers ist die Steinsetzung der Mole und der Südstrand bis Lobber Ort und bis nach Thiessow auszumachen.

Von dort kann man, wenn Kaffee und Kuchen locken, hoch steigen zur Kirche, um den Weg in den Badeort zu finden.

Nicht ohne den einmalig schönen Weitblick über das Mönchguter Land zu genießen, denn den gibt es so nur an dieser exponierten Stelle.

Das Baumloch

Tja, an dem ist der Wanderer nun vorbeigegangen, das hat er nicht gefunden, das steht ja auch nicht direkt am Wege, wie das so ist mit den Besonderheiten.

Denn, dieses Baumloch verfügt über ein gut gehütetes Geheimnis.

Eine alte Sage erzählt, daß kranke Menschen, geplagt von Schmerzen und Übel, durch so ein Baumloch geheilt werden können.

Man muss sich völlig nackt in der Johannisnacht durch dieses Loch ziehen lassen und dabei den Baum bitten, alles Übel abzunehmen und Leiden abzustreifen. Das soll Wunder bewirken.

Das Problem ist nicht der Baum und ist nicht die Johannisnacht, selbst einen Vertrauten, der sich darauf einläßt, mit dem Anderen nackend in einer Sommernacht im Walde herum zu stehen, selbst den zu finden, sollte nicht das Problem sein.

Schwierig wird es mit dem Loch. Es ist nicht gerade klein, auch nicht gerade eng, dennoch: wer passt denn heute noch durch so ein Loch? In Zeiten, in denen das Übergewicht die Wurzel allen Übels ist? Wenn ein beachtlicher Prozentsatz Krankheit durch zu viel Fett am Bauch entstanden ist? Wie bekommt man diese Wohlstandskranken durch so ein Baumloch?

Kurz: es kann nur eine Sage sein.

Entstanden zu Zeiten, als Mönchgut von schwerarbeitenden Fischerbauern bevölkert war, entstanden (und vielleicht auch praktiziert) vor vielen, vielen Jahren, als man für sein tägliches Brot noch richtig den Hintern bewegen musste, als keine Zeit und keine Gelegenheit blieb, um rund und dick zu werden. Jedenfalls nicht auf Mönchgut.

Nachtrag

Es ergab sich mittlerweile eine traurige Geschichte rund um meinen Freund, das „Baumloch“. Erfahrt mehr darüber im zweiten Beitrag:

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