Insel Fünen – Urlaub in Dänemark

Blogger 15. Mai 2026Juni 1st, 2026Reiseberichte, Dänemark, Rügen-Blog

Wir reisen gern… aber warum?

Unsere kleinen Aus­zeiten, diese un­er­müd­liche Freude am „Unter­wegs­sein“ hat im Be­kann­ten­kreis nicht nur ge­neigte Ver­steher.

„Ihr seid ja ständig weg!“, höre ich bzw. die Frage: „Wann seid ihr mal wieder zu Hause?“. Und als ich mich kürz­lich ver­ab­schiedete und auf ein Treffen nach Ostern orientierte, sagte man mir gar: „Wieder auf Reisen? Na, wenn ihr das braucht…“.

Fast hätte ich mich ent­schuldigt.

Prominente Meinung übers Reisen

„Einmal im Jahr solltest du einen Ort be­suchen, an dem du noch nie warst.“, sagt der Dalai Lama und damit könnte man es genug sein lassen, denn der muss es ja wissen. Dennoch: Was reizt die Men­sch­heit am Reisen?

Dazu bemühe ich wieder­holt eine Prominenz, die es treffend in Worte fasst.

Eines Reisen­den Ziel ist niemals ein Ort, sondern eine neue Art, die Dinge zu sehen.

Henry MillerSchriftsteller und Maler

Ich glaube, darin liegt für mich der eigent­liche Reiz des „Unter­wegs­seins“, des Reisens, denn ge­nau­so ist es, dieser neue, anderer Blick auf andere Menschen, auf ihre Lebens­ver­hält­nisse, den suchen wir, das ist unser Grund, immer mal „über den Teller­rand“ zu schauen. Mit dem neuen Blick auf die Dinge des Lebens korrigiert der Mensch seine Vor­ur­teile, die eigenen Grenzen der Eng­stirni­gkeit und seine Toleranz­bereit­schaft.

Doch, man ist ein Anderer beim Heim­kommen.

Ich bin ein Insel­mensch

Und ich suche mit Vor­liebe ein Insel-Reise­ziel. Uns stand nicht viel Zeit zur Ver­fügung und wir wollten keine tage­lange An­reise, also nahmen wir den fast direkten Weg, mal rüber gucken nach Däne­mark, zur Insel Fünen.

6,5 Stunden An­fahrt, über Flens­burg, Aaben­raa, Kold­ing und das Städt­chen Middel­fahrt, dessen Brücken über den Kleinen Belt die Insel Fünen mit Jüt­land ver­binden.

Dort hätte uns ein Rund­gang am kleinen, histor­ischen Hafen an die See­fahrer-Ver­gang­en­heit des Ortes er­innert, aber wir wollten einfach nur an­kommen. Zu be­sorgen war derzeit nichts, wir hatten Ge­tränke und Lebens­mittel ge­bunkert, als sollte es tat­säch­lich quer übers Katte­gat gehen…

Unsere Ferien­wohnung ist ein Haus mit Geschichte

Unsere Ferien­wohnung war Teil eines auf Fünen absolut üblichen Wohn- und Arbeits­komplexes bzw. eines Drei­seit­hofes, er­streckte sich über zwei Etagen, hatte ca. 120 m² Wohn­fläche und war groß­zügig für sechs Personen aus­ge­legt. Und – das ließ uns dann doch erst­mal schlucken – lag spektaku­lär in einer Buckel­kurve in­mitten riesiger Acker­fläche soweit das Auge reicht.

Der freundliche Ver­mieter, den wir am anderen Ende der Hof­anlage fanden, drückte uns mit ver­schmitztem Lächeln und ein­wand­frei ge­sprochenem Deutsch die Schlüssel in die Hand und sagte: „Der große Winter­garten, und oben, und unten, alles für euch.“.

Die restlichen Tages­stunden ver­gingen mit Aus­packen und Ein­räumen und dem Er­lernen der Aus­lastungs­logistik zwischen Treppen, Türen, Bade- sowie Schlaf­zimmern. Ich hätte meinem Mann gerne ein Glöck­chen ans Bein ge­bunden, um zu hören, wo er gerade ist.

Gelandet mitten auf dem dänischen Acker

Ja, wo war er? Im riesigen Wohn­zimmer (mit Küchen­trakt und Servier/­Anrichte), vor dem wand­schrank­großem TV und suchte Musik bzw. deutsch­sprachige Fern­seh­programme. Mit Erfolg, natür­lich. Zu­künftig be­grüßte mich jeder neuer Ur­laubs­morgen, den Gott, der Herr werden ließ, mit Musik­programm. Prima beim Hulla­hupp.

Endlich gemütlich ab­ge­mattet. Aber, dann wollte die Sonne unter­gehen mit Trara, was das Acker­land ver­golden ließ. So gings fix in die Stiefel und noch einmal ab ins Um­land. Schon bei diesem ersten Kontakt­ver­such mit Land und Furche wurde eins deutlich: Menschen sucht man hier vergebens.

Die Bauern­stellen – alles Drei­seit­höfe mit Lang­haus in Fach­werk und un­glaub­lich riesigen Stallungen – waren Zeugen ein­stiger, ertrags­reicher Land­wirt­schaft. Jetzt oft und immer wieder in Groß­teilen ver­lassen. Nun, um- oder neu­ge­baut für die nächste Ge­neration. Und was waren das für schmucke Anwesen, ohne Prunk und Pracht: Viel Rohr­dach, viel Fach­werk, viel Hygge im Garten.

Und, auch das wurde deut­lich, das Acker­land um die Häuser herum grenzte das persön­liche Hab und Gut gegen den Nach­barn ab. Je mehr einer hatte, umso weiter ent­fernte er sich vom Nächsten. Auf Ruf­weite? Da hätte man schon or­dent­lich brüllen müssen!

Ich musste an die Weite unseres Mecklen­burgischen Landes denken, wo man auch nur in der Ferne das Dach vom Nach­barn sah. Und wo Vadder am Fenster Aus­schau hielt nach dem Sohne und zu Muddern sagte: „Setz` de Tüffeln up, hei kümmt.“.

Bogense hat ein Wohlfühl-Gen

Die nördlichste Stadt auf Fünen ist Bogense. Eine Klein­stadt mit schönen, alten Häusern, ganz Kleine in farbigem Fach­werk, aber auch das längste städt­ische Fach­werk­haus in Nutz­ung ge­funden, nette Cafés, kleine Boutiquen, über­all „Schöner-Wohnen“-Läden, Krims­krams und Anti­qui­täten. Und ein richtig voller Hafen mit Fischerei-, Segel- und Touristen­betrieb.

In der dänischen Luft liegt die absolute Ent­spannung. Auf­ge­schlossene Gesichter, freund­lich zuge­wandt, keine hängenden Mund­winkel, kein politi­sieren­des Ge­nörgel, keine Hektik.

Vor dem Eisladen standen Bänke, die alle be­setzt waren. Da erhebt sich eine Omi mit Rollator und sagt (auf Dänisch natürlich) zu mir: „Setz dich nur hin, piger (Mädelchen), ich sitz ‘schon viel zu lange hier.“. Nett, oder?

Aber den Rest gab mir ein Kleinst­kind, das gerade so laufen konnte, mir nur bis zum Knie reichte und offen­sicht­lich in der Latz­hose vom großen Bruder steckte. Diese winzige Dänin sah mich sitzen, wackelte zu mir, guckte an mir hoch und sagte laut und ver­nehm­lich „Hej-hej“. Ich war auf­richtig sprach­los. Erstens hätte ich nie ge­glaubt, dass so ein kleiner Mensch sprechen kann und zweitens ist noch nie ein Klein­kind frei­willig zu mir ge­kommen. Sie haben es im Blut, die lässige Hygge.

Nordisch stolze Schlösser und Guts­häuser in Dänemark

Von dort führen ast­reine, herr­lich freie Straßen – an jeder Kreuzung bedarfs­ge­rechtes Schalten, jedes Mal mit Jubel kommentiert vom deutschen Auto­fahrer anbei – durch lieb­liches Ge­lände, Bär­lauch-Wälder, Gräben, kleine Brücken, Park­an­lagen und vorbei am Schloss Gylden­steen, ein Pracht­bau. Nord­isch kompakt, kein Rokoko, in Privat­besitz. „Gylden­steen“ heißt es, weil der reiche Groß­grund­be­sitzer jeden seiner Bau­steine hätte ver­golden lassen können. Nun, das hatten wir ja gesehen, reiche Land­wirt­schaft rund­um.

Wir suchten Strand. Viel, das wussten wir, hat Nord­fünen davon nicht. Schon gar nicht die weiten, fein­sandigen Strand­buchten unserer Heimat­insel Rügen.

Das hat nicht nur Nach­teile. Was dieser Insel erspart bleibt, ist der über­mächtige, saisonale Urlauber­strom der Sonnen­an­beter. Ohne Touristen­massen ändert sich alles: Das Orts­bild, das Hotel- und Restaurant­an­gebot, der Lebens­rhythmus, die Preise, die Sicht auf die Dinge – und die Laune.

Möglich, dass die deutlich wahr­zu­nehmende ent­spannte Atmos­phäre schlicht auf die Tat­sache zurück zu führen ist, dass Fünen keine Bade­insel ist. Aber, wir hatten es gelesen: „Gylden­steen Strand“ – also, weiter Richtung Osten, nach Flyve­sandet, den Küsten­weg Nord­fünens ent­lang, und dort, wo ein Park­platz aus­ge­wiesen war, auch eine Straße gen Küste führte, dort dachten wir, ist der Strand. Weit ge­fehlt. Oder, beste Ent­deckung ge­macht!

Natur­paradies ge­funden am Gylden­steen Strand

Dort waren wir mitten im ein­heim­ischen, küsten­nahen Vogel­paradies: Gylden­steen Inddaem­mede Strand. Wer wissen will, was an der Nord­küste Fünens im Schilf, am Ufer, am oder im Wasser, kriecht, fliegt, schwimmt, Nester baut, kommt und geht, der muss dort­hin. Ein­wand­freie Wander­wege, Aus­stellungs­räume, Beo­bachtungs- und Forschungs­zentren, An­schauungs­tafeln, Er­klärungs­hin­weise, Terrarien – Natur­kunde frei Haus, Schule unter hellem Himmel, absolut zu em­pfehlen!

Am Strand sitzen und baden gehen – das geht dort nur an kleinen, aus­ge­suchten Ab­schnitten, eher zu ver­gleichen mit unserem heimat­lichen Bodden­feeling.

Auf ins Kattegat

Der nächste Tag lockte uns nörd­lich von Kerte­minde auf eine zer­klüftete Land­zunge, die weit ins Katte­gat hin­ein­ragt.

Fyns Hoved, angeb­lich die schönste Ecke Nord­däne­marks und gleich­zeitig die drama­tische Nord­spitze der Halb­insel Hinds­holm.

Fast hätten wir uns dort auf ein Ferien­haus ein­ge­lassen, aber eine Ahnung von end­licher, absoluter Ein­sam­keit ließ uns zögern – wie gut.

Das Thema „Allein­sein“ wurde erst nach einer langen, fast 20 km langen Fahrt – an Ferien­haus­siedlungen und kleinen Dörfern vorbei – präsent, dann aber fanden wir den Park­platz, Hin­weise für Wander­wege und eine Land­schaft, die uns ver­blüffend an unser Mönch­gut er­innerte.

Auch hier zeigten sich Moränen­hügel, Innen­wieken, Trocken­rasen­ge­biete, Kliff­kanten und Ab­brüche, wie am Redde­vitzer Hövt.

Noch hielt das Wetter die Wanderer, Vogel­beo­bachter, Angler und Jogger aus den um­liegenden Ferien­objekten be­deckt.

Aber was sich hier in der Hoch­saison ab­spielen wird, wissen wir aus Er­fahrung.

So konnten wir nach einem langen, sehr schönen Rund­gang durch das Küsten­städtchen Kerte­minde (Fach­werk­häuser, wie aus dem Bilder­buch) am Abend wieder dank­bar in die weit­läufige Ruhe „unseres“ Drei­seit­hofes ein­ziehen.

Ein wichtiges Gespräch

Es ergab sich sogar noch ein langes, sehr in­for­ma­tives Ge­spräch – auf Eng­lisch, Deutsch und Dänisch – mit unseren Ver­mietern, dem alten Ehe­paar, das uns durch das riesige An­wesen führte, Aus­kunft gab zu sozialen Lebens­ver­hält­nissen, zur eigenen Geschichte und der des Hauses.

Nun konnten wir besser ver­stehen, warum die großen Räume und der lange Winter­garten ent­standen sind: Aus der ehe­mali­gen Dorf­schule mit zwei Klassen­zimmern hatten die jetzigen Bewohner eine Gast­stätte plus Ver­miet­ung er­schaffen.

Her­berge und Aus­flugs­lokal für Familien-, Betriebs- und sonstige Feiern.

„Alles selber gemacht“, beste Bewirtung bis zu 48 Personen (unser Wohn­zimmer). Neben­bei drei Kinder und 12 Hühner groß­gezogen, Garten und Park­anlage ver­sorgt.

Wir waren be­ein­druckt. „Kein Problem“; lächelte die alte Dame und er setzte schmunzelnd hinzu: „Arbeit ist ja nichts Böses…“, die Dänen halt.

Stadt Odense und Märchen­haus vom Andersen

Ostersamstag wurde ich mit einer Konzert­ein­ladung nach Odense und zu einem Stadt­rund­gang – wir sind auch bei H. Christian Andersen vor­bei – über­rascht. Für den Aus­stell­ungs­komplex zu Andersen braucht man viel Zeit, lieber hin zu seinem kleinen Ge­burts­haus. Und zu den zahl­reichen prächtigen, großen Kirchen, vielen netten Cafés, Ein­kaufs­meile mit H&M, Familien und Straßen­musiker – alle da, alle ent­spannt und ver­gnügt. Eine sehr schöne Park­an­lage, direkt am Zentrum von Odense, die im Fünf-Minuten-Weg fort vom Ge­schäfts­trubel uns wieder auf­atmen ließ, führte zurück zum Park­platz und heim­wärts. Genug (dänische) Stadt gehabt.

Gutshof und Park­an­lage Hofmansgave

Deshalb am nächsten Tag wieder auf Tour zu einer extra ein­samen Ecke Nord­fünens: Guts­park Hof­mans­gave auf einer ehe­maligen Insel im Odense Fjord und zum Natur­reser­voir Enebae­rodde. Un­be­dingt zu em­pfehlen, mit viel Zeit zum Er­kunden. Zum Be­sichtigen er­wandert man einen wichtigen Meilen­stein über Geschichte und über Natur der Insel Fünen.

Hofmansgave erwartet den Besucher mit Herren­haus aus dem 18.Jahr­hundert und riesigen Lang­häusern, die teil­weise be­wohnt waren und als Stall­ge­bäude ge­nutzt wurden. Das Fach­werk ist im Top­zu­stand, wie die ge­samte An­lage, be­wohnt über Generationen der Familie Hofman-Bang, die allesamt Wissen­schaft­ler, Botaniker und/­oder Künstler waren und sich mehr für Land­schaft und Park inter­essiert­en als für das Gut selbst.

Der wunderschöne Park ist 70.000 m² groß und ein einziges bo­tan­isches Wunder: Seltene Pflanzen, Blumen und Baum­arten aus aller Welt lassen staunen. Es empfiehlt sich eine „Plant­Net“ für den Rund­gang, man geht an exo­tischen Ge­wächsen vorbei, die sich für Laien nicht identi­fizieren lassen.

Hofmansgave ist heute eine Stiftung und kann nur von außen be­sichtigt werden. Hier be­findet sich heute ein moderner Bauern­hof mit Milch­produkt­ion und An­bau von u.a. Weizen, Mais und ver­schiedene Samen­sorten.

Heideland­schaft Enebae­rodde

Dann Enebaerodde bei Wind­stärke 8 bis 9. Wieder eine schmale, lange Halb­insel­zunge in Däne­mark und ein einzig­artiges Natur­er­leb­nis in der ge­schützt­en Land­schaft zwischen Katte­gat und Odense Fjord.

Trotz Sturm wollten wir dieses größte Heide­gebiet auf Fünen mit Aus­sicht weit über den Odense Fjord er­leben.

Also den Pkw am letzten Park­platz ab­ge­stellt, an den hoch­glanz­ge­stylten Ferien­bunga­lows – erste Reihe mit Meer­blick in Glas und Beton – vor­bei und tapfer ran an den 5,5 km langen Wander­weg der Land­zunge „enebaer“, was so viel wie Wach­holder­busch heißt.

Links Natur­strände, stein­ge­schottert und schaum­ge­krönte Wellen. Rechts ein paar Gallo­way-Rinder und die Türme vom Um­schlag­hafen Odense. Alles bei Sturm, der uns die Worte zer­faserte.

Und deshalb: Nein, den weißen Leucht­turm an der Land­zungen­spitze haben wir nicht ge­funden, wir drehten vorher bei. Auch mal genug Land­schaft.

Ein Teen weint um eine un­glück­liche Liebe

Zum Schluss muss ich noch von einer Merk­würdig­keit berichten, die mir dort auf Fünen wider­fahren ist. Dazu kurz zurück ins Jahr 1967. In diesem Jahr sah ich den schwe­dischen Film „Elvira Madigan“ vom Ende einer großen Liebe, der mich Teenager mächtig und nach­haltig be­ein­druckte.

Musik, Schauspieler, die ganze, nach wahrer Begeben­heit ge­staltete Ge­schichte, die schmerz­haft-roman­tische Kamera­führung ging mir zu Herz, schrieb ich lange, oft und immer wieder in mein Tage­buch. Dann ver­gaß ich sie, die un­glück­liche Liebe einer Seil­tänzer­in zum ver­heirat­eten schwedischen Offizier. Bis ich Jahr­zehnte später – also kürz­lich, in der Abend­sonne – im Winter­garten sitze und bei Google Aus­schau halte nach einem inter­essan­ten Reise­ziel im Süden der Insel Fünen, denn dort waren wir noch nicht.

Auf Exkursion im Wald von Nørreskov

Und da meine ich, mich zu ver­gucken! Denn da lese ich, dass genau hier, im Süden von Fünen, auf der kleinen Insel Tasinge, Elvira Madigan und ihr Offizier den Frei­tod… Na, also ehr­lich, ich saß wie vom Donner ge­rührt und die ganze, alte Ge­schichte, das schmerz­hafte Mit­leiden von damals, war wieder da.

Es versteht sich von selbst, dass der ver­blüffte Ehe­mann keine Chance hatte als ich ihm die Straßen­karte vor­legte und sagte: „Hier ist die Insel Tasinge, da müssen wir hin!“. Mein Ehe­mann ist ein Sachse. Die Neu­gier an Recherche, am Suchen und Finden liegt ihm im Blut. Ge­sagt, ge­tan. Wir fanden nicht nur „Valdemars Slot“, denn da mussten wir vorbei, durch den kleinen Fischer­ort Troense (da haben die beiden das letzte Mal ge­wohnt) hin­durch in den nahen Wald von Nørreskov.

Und wir fanden Weg­weisung, Hin­weis­tafel und An­dachts­stein, dort an der Stelle, wo der Ver­zweifelte erst sie und dann sich er­schoss. Beide wurden Tage später, im Juli 1898, ge­funden. Jetzt liegt dort, an diesem großen Stein der Er­inner­ung, ein kleiner Hühner­gott-Stein von der Insel Rügen. So schließt sich ein Kreis.

Wir fahren gerne fort – und kommen gerne heim

Wir haben unser dänisches Ferien­haus in aller Frühe ver­lassen, auf­ge­räumt und blitz­blank ge­putzt, so wie es sich ge­hört. Schon im Auto drehte ich mich noch mal zurück und da las ich den Spruch über der alten Tür: „Gnade, Frieden, Öl und Brot und ewiges Leben – Amen“.

Besser kann man er nicht sein, der Ab­schied.

Nun, ein jeder ist anders unter­wegs. Für die Viel­falt des Reisens gibt es zahl­reiche Gründe und sie alle haben ihre Be­rechti­gung. So wie der eine das Aben­teuer sucht, findet der andere seinen Er­holungs­effekt in einer Ferien­residenz, am Hotel­pool, beim abend­lichen 3-Gänge-Menü mit an­schließen­der Folklore­ein­lage. Wenn der Mensch sich am Ende der Reise freuen kann, dass er wieder zu Hause ist, dann war sie aus­reich­end, die Dosis „Unbe­kannt“.