Reisebericht: Insel Korsika

Blogger 26. Mai 2019 Frankreich, Reiseberichte, Rügen-Blog

Korsika-Urlaub an der nördlichen Westküste

Ach, was ist schon alles über Korsika geschrieben worden: Wunderbare Reiseführer mit exzellenten Beschreibungen über Wanderrouten, Hotelempfehlungen, geografische Besonderheiten, kulturelle Höhepunkte und sogar Speisekartenpräsentationen.

Alles da – alles bis ins Detail beschrieben. Kann man dem noch etwas hinzufügen?

Ja, man kann. Und zwar aus einem Blickwinkel heraus, der professionell noch nicht beschrieben wurde, als individueller Betrachter mit dem Blick für das Besondere.

Und, wer weiß? Vielleicht wird gerade jetzt irgendwo von Irgendjemandem ein Korsika-Urlaub genau dorthin, an die nördliche Westküste der Insel geplant, unter Reiseumständen, wie wir sie gerade erlebt haben.

Und deshalb schreibe ich ihn nun doch, den kleinen Reisebericht über unseren Besuch bei den Korsen.

Mit dem Pkw ab Rügen via Italien nach Korsika

„Ja, wieso denn per Auto?“, haben mich alle gefragt, „Mit dem Flieger seid ihr doch viel schneller da!“.

Richtig gedacht, wenn man als Reisender nach irgendwo „schnell da sein“ möchte. Aber, das wollten wir ja nicht, wir wollten den Weg zum Ziel genießen!

Und so wurden Etappen sorgfältig geplant, Wegstrecken ausgerechnet, Übernachtungsziele als kleine Events am Wegesrand festgelegt. Sozusagen zum „Luftholen“ auf einer weiten Strecke des An- und Abreiseweges.

Mit dem Auto bis zur Fähre nach Korsika

Und hier kommt nun der Streckenwart, der Planer, der souveräne und unermüdliche Autofahrer zu Wort, denn wichtige Details oder Wegweisungen wollen wir dem interessierten Leser genauer erklären:

„Wenn die gesamte Wegstrecke von Zuhause bis zur Fähre nach Korsika 1.700 km beträgt, lohnt sich eine Drittelung in drei Tage, damit jede Etappe ein Erlebnis werden kann; knapp 600 km tägliche Autofahrt schlagen auch nicht zu sehr aufs Gemüt. Die Fahrt über Leipzig, Nürnberg, Ulm, Bregenz, San Bernardino, Mailand nach Savona bei schönstem trockenen Wetter gelang glücklicherweise ohne Unfälle auf den Strecken, keine Staus und insgesamt ohne negative Erinnerung. Wie schön sind doch auch einige Landschaften unterwegs.

Disziplin ist gefragt bei der Entrichtung der Gebühren für das Pickerl in Österreich (9,20 €), der Vignette in der Schweiz (37,00 €) und der Maut in Italien (ca. 40 €). Danach wird dies in diesen Ländern mit gemäßigter, trotzdem zielführender Geschwindigkeit und ausgezeichneter Wegweisung vergolten.

In der unübersichtlichen Hafenstadt Savona konnte der richtige Fährhafen neben dem Kreuzfahrthafen nach Ehrenrunde und Besichtigung von diversen Gewerbegebieten gefunden werden: präzise Vorbereitung ist dort sinnvoll.

Autofahren auf Korsika

Autofahren auf Korsika ist eine Lust, weil nahezu rhythmisch das Lenkrad nach links und nach rechts gedreht werden muss und vor Kurven ist Hupen manchmal sinnvoll. Straßenbreiten von 5 m für beide Richtungen sind nicht selten. Erleichternd ist dafür der Umstand, dass man stundenlang fahren kann, ohne jemandem zu begegnen.

Ungefähr 1.200 km in 9 Tagen sind zusammengekommen, der nördliche Teil (u.a. bis Galeria und Asco) wurde erreicht.

Voller Eindrücke ging die Rückreise alternativ über Verona, Innsbruck, München und Leipzig zur Ostsee, auch bei schönstem Wetter stressfrei zurück.“.

Urlaub im „Garten Korsikas“

Wir wollten so authentisch, wie möglich wohnen, so dicht dran an dem Leben der Inselbewohner, wie es machbar war.

Wir wollten keinen „All-inclusive-Urlaub, keine vollen Speisesäle oder organisierten Ausflugstouren. Wir wollten alles selber erkunden. Und da unser An- und Abreisehafen in Bastia war, sollte das Feriendomizil nicht zu fern und gut erreichbar sein. Schließlich war die Fähre für die Rücktour bereits um 8.30 Uhr gebucht. So entschieden wir uns für den nördlichen Teil der Westküste, für die Balagne, für den wilden „Garten Korsikas“.

Diese fast liebliche Hügellandschaft hat weite, fruchtbare Täler und ist weitgehend unbesiedelt. Die alten Steinhäuser der Bergbauern klettern an den Wänden des westlichen Vorgebirges hinauf, der Horizont wird begrenzt durch schroffe Felsformationen mit Schneemütze, ein beeindruckendes Panorama.

Erreichbar nur auf endlosen, kurvigen Straßen, an Wasserfällen vorbei und oft über so alte Brücken, dass mir unser moderner Pkw peinlich wurde – hier gehören Esel und Holzkarren hin!

Und wir. Unser Ferienhaus befand sich mitten in einem dieser Dörfer.

Ein traditionelles Steinhaus mit abenteuerlichen Treppen und Türen und äußerlich scheinbar völlig anspruchslos. Im Inneren dann, zu meiner grenzenlosen Erleichterung, mit modernem Komfort ausgestattet, chic und praktisch und mit Allem, was man im Urlaub benötigt, um sich wohl zu fühlen.

Und so hatten wir einen perfekten Ort gefunden, um unsere Ausflüge zu planen: nach Nonza, zu einem Dorf mit Verteidigungsanlage, Genueserturm und der entsprechend abenteuerlichen Geschichte dazu, oder nach Sant‘ Antonino, einen zauberhaften Ort auf über 500 m Höhe, mit schmalen Treppengassen und atemberaubenden Aussichten.

Wir waren in Speloncato mit dem angeblich schönsten Dorfplatz in der Region, besuchten L’ile–Rousse wegen der roten Granitfelsen und dem alten Leuchtturm, kletterten auf alten Zöllnerpfaden und Hirtenwegen zu den Kirchen hoch, die auf dem allerletzten, höchsten Berggipfel ins Land grüßten und schlugen uns durch mediterranes Unterholz im Fango-Tal.

Und überall faszinierte der Wechsel zwischen dichtem Grün der Olivenhaine, der mannshohen Lavendelbüsche, Feigenbäume und der Kastanienwälder und den beängstigend schroffen Felswänden, die unsere Straßen begrenzten – zu einer Seite, ausschließlich nur zu einer Seite, versteht sich.

Herausforderung: Serpentinen auf Korsika!

Außer den permanenten Balkonstraßen im Küstenbereich beeindruckten den Fahrer besonders die schmalen Serpentinen und die Vorstellung, dass man hier, bei massiven Gegenverkehr, eigentlich nur über die fehlende Randbegrenzung hinaus, zu einer Seite hätte ausweichen können!

Und mit „Gegenverkehr“ sind durchaus auch Schafherden, Kühe, Ziegen oder freilaufend Schweine gemeint.

Bergdörfer im Zeichen einer jahrhundertalten Geschichte

Ein besonderes Erlebnis waren die Wanderwege am Meer, an den rundgewaschenen Felsen entlang, über einen Blütenteppich wie im Märchenbuch.

Und überall, fast in Sichtweite, die Wachtürme der Genueser-Wahrzeichen einer kriegerischen und nicht zimperlichen Vergangenheit um Vorherrschaft oder Unabhängigkeit.

Und die Entdeckung des kleinen, verlassenen Bergdorfes Occi – über einen steilen, aber gut zu bewältigenden Kletterpfad bis in fast 400 m Höhe der Felsenlandschaft.

Dort oben überwältigt den Besucher die Geschichte, die Vergangenheit dieses Ortes und die Frage: „ Wer hat hier oben, wie und warum gebaut, gelebt, gesiedelt?“.

Außer der in Stein gemeißelten Jahreszahl über einem verfallenen Hauseingang ist keine konkrete Antwort zu finden, nur die Kirchenmauern mit Turm stehen noch recht massiv wie ein Mahnmal.

Ostern auf Korsika

Nun das Osterfest auf Korsika – ja, aber – welches Osterfest denn?

Nix Osterhasi, null Eierbäume in jedem Vorgarten, keine Schokoladennester in den Verkaufsläden, von Osterdekoration keine Spur, ja, nicht mal das gelebte Gefühl von „Feiertag“ war zu entdecken, was war hier los?

Die Antwort auf diese Frage reduzierte sich auf unser Erlebnis am Karfreitag. Zur späten Nachtstunde hörten wir plötzlich einen Klagegesang, der immer näher kam und wir sahen am Ende der Straße einen Menschenzug, der sich im Fackellicht vorwärts bewegte. Alle Beteiligten in weiße Kapuzengewänder gehüllt, eine Gestalt ging barfuß in der Mitte, trug das große Holzkreuz und Fesseln an den Füssen.

Eine Büßerprozession am Karfreitag

Und sie sangen, wiederholten eine bewegende Melodie, die der Vorsänger intonierte, mit wunderschönen Stimmen, die Gänsehaut verursachten, schritten so an uns vorbei bis zur Kirche. Dort wurde durch die Sänger die Zeremonie einer sich aufrollenden Schnecke zelebriert, nach überliefertem Brauch, nach uralter Sitte.

Wir standen still und beeindruckt an der alten Steinmauer, denn eins war offensichtlich: hier schritt eine Büßerformation durch das gesamte Dorf bis zur Kirche, eine beträchtliche Anzahl der Dorfgemeinschaft im Schlepp. Als alle Beteiligten in der Kirche verschwunden waren, fiel der Vorhang in dem dunklen Dorf und wir hatten Ostern auf Korsika erlebt.

Natürlich haben wir keine Fotos gemacht, nur heimlich den Gesang aufgenommen und – sozusagen aus der Hosentasche – eine Fotoaufnahme gewagt, als der Zug fast vorüber war.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Oh doch, wir hätten durchaus noch eine gute Woche Urlaubszeit brauchen können. Dann wäre unbedingt noch eine Reise in den Süden oder eine längere Tour an der Ostküste dabei gewesen.

Tipp: Kein Massentourismus auf der Insel Korsika

So aber haben wir zwar nur einen kleinen, aber wunderschönen Teil dieser, unberührten und wilden Insel für uns entdecken können, bei bestem Frühlingswetter und ohne Massentourismus.

Und wer seinen Urlaub nach diesen Prämissen planen möchte, dem sei Korsika, die Balagne, mit unserem Bericht sehr empfohlen!

Blogbeitrag über Semana Santa

Wie versprochen: Hier gelangst Du zum Blogbeitrag „Semana Santa in Malaga“. Ich freue mich sehr, dass Du es bis hierhin geschafft hast und immer noch nicht aufhören willst 🙂

Was denkt Ihr? Schreibt es uns!