Warum der Hornfisch grüne Gräten hat

Blogger 3. Juni 2018 Juni 4th, 2019 Rügen-Blog, Streifzüge, Tiere

Service am Gast

Zu uns in die Ferienwohnung kommt schon seit längerer Zeit eine patente, sympathische Frau mittleren Alters, die wir sehr gerne beherbergen. Sie hat ein offenes, freundliches Wesen, ist interessiert an „allem Schönen“, ist sozusagen eine entdeckungsfreudige Genießerin.

So verwunderte es uns überhaupt nicht, als sie erklärte, sie hätte jetzt die Nase voll von den überteuerten Fischrestaurants in den Badeorten, sie würde jetzt mal ganz bodenständig essen gehen, so ganz einfach, wie früher, und sie suche nun eine Kneipe ohne Firlefanz.

Damit konnte ich dienen. Ohne Umschweife. Auf direktem Wege, sozusagen genau gegenüber unserer Ferienwohnung. Da kochte noch Muddern nach Rezepturen, die sich seit Jahrzehnten bewährt hatten, mit Sättigungsbeilagen, die eher solide im Magen lagen, als die Fantasie zu beflügeln. Und schlussendlich mit Niedrigpreisen, die Ihresgleichen suchten.

Der Hornfisch

Eigentlich ein Fisch, den es selten gibt, nämlich tatsächlich nur einmal zu bestimmten Wochen im Frühjahr. Seltenheitswert wird für gewöhnlich honoriert durch besondere Aufmerksamkeit. Bei diesem Fisch nicht. „Arbeiteraal“ nennen ihn die Fischer leicht verächtlich. Denn er sieht zwar aus, wie ein Aal, hält aber in keiner Weise einen Geschmacksvergleich aus. Dennoch, im Mai wird er gerne gefangen und flugs verbraucht. Egal ob gebraten oder geräuchert, man muss ihn schnell verzehren, unbedingt so frisch es geht, denn einmal abgelagert wird er gummiartig und überwiegend fest im Biss.

Was ihn aber in erster Linie zu etwas Besonderen macht, sind seine grünen Gräten, die nach der Zubereitung den Konsumenten verblüffen.

(Für die grüne Farbe der Hornfischgräten sorgt das Farbpigment Biliverdin, s. auch Beitrag der „Ostee-Zeitung“ vom 23.05.2018)

Empfehlung für den Feriengast auf Rügen

Zurück zu unserem Feriengast. Auf der Suche nach hauseigener Kost empfehle ich ihr die kleine familiengeführte Gaststätte bei uns gegenüber. Sie nix wie hin.

Spät am Abend sitzt sie mit ihrem Weinglas zufrieden in der Abendsonne und ich frage: „Nun, alles gut gegangen? Hat`s denn geschmeckt?“.

Meine Ferienfrau setzt ihr Weinglas ab und sagt: „Du, das muss ich dir erzählen, so etwas habe ich überhaupt noch nicht erlebt. In so einer kleinen, unscheinbaren Kneipe, einen derartigen Service am Gast, das war einfach einmalig!“.

Und fast fehlen ihr die Worte für diesen unglaublichen Service am Gast, den sie mir beeindruckt schildert: „Stell dir vor, die haben bei dem Bratfisch extra die Gräten eingefärbt, damit die doofen Großstädter sie auch finden beim Essen und Puhlen. Ganz großartig finde ich das! So eine Fürsorge habe ich auf all meinen Reisen noch nie erlebt, und ich habe mich mit einem großen Trinkgeld bedankt!“.

Hornfisch als Goldesel

Der Lobgesang auf Deutschlands schönste Insel muss also entsprechend erweitert werden. Das Einmalige unserer Insel Rügen hat ohne Zweifel an Bedeutung gewonnen. Und sei es auch nur in Erinnerung einer Urlauberin an Hornfischessen.

Hingegen die Verblüffung in den Gesichtern des Gaststättenpersonals über Lobgesang und Trinkgeldzahlung für einen „Arbeiteraal“ wird angehalten haben. Wie auch die Einstellung zu einem Fisch, der ja eigentlich nichts wert ist…

Was denkt Ihr? Schreibt es uns!