Wenn ein Tier sich in die menschliche Seele schleicht…

Wie geschieht das?

Das passiert ganz heimlich, leise, unauffällig aber stetig.

Ich kenne Jemanden auf der Insel Rügen, der unter recht straffen, realitätsbezogenen Umständen aufwuchs. Das bevorzugte Kommunikationselement war das Kommando. Da wurde nicht lange gefackelt, eher: gesagt – zack – getan.

Gefühlsduseleien wie Streicheleinheiten oder gar überflüssiger Firlefanz wie Zärtlichkeiten sah man so selten, wie eine Kuh beim Rückenschwimmen und waren ohnehin rausgeschmissene Zeit.

Das soll jetzt nicht heißen, dass dieser Jemand gänzlich ohne Zuwendungen erwachsen werden musste – nein, sie waren nur von anderer, herber, funktionaler Art und sie lehrten auf alle Fälle das Leben zu leben.

Jedenfalls so perfekt man es halt leben kann, mittels Verstand…

Dieser Jemand ist wie geschaffen, um einen Hund zu erziehen. Nicht irgendeinen Hund – natürlich ein Hundeexemplar, dessen Sinn in der Erfüllung einer Aufgabe liegt. Denn, wozu ist ein Hund schließlich da.

Wie Hund und Katz?

Ach, ihr Katzenfreunde alle – ich sehe euch schmunzeln, höre euch kichern. Könnt ihr euch diese Situation für eure Katze vorstellen? Eure unabhängige, stolze, eigensinnige Katze im Dienst einer menschlichen Dienstanweisung? Da bleibt nur der verächtliche Blick, den wir Katzenfreunde alle sehr gut kennen… Aber, das ist ein anderes Thema.

Erziehung ist das halbe Leben

Dieser straff erzogene und emotionsgebremste Jemand also beschenkt sich mit einem kleinen Hund.

Ein Jammerkammerspiel. Denn nun griff das Hundeerziehungsprogramm Punkt für Punkt, erbarmungslos, konsequent bis zum Ziel. Und der Hund ging zwei Jahre durch diese harte Lehre, dann kannte er seine Befehle, seine Aufgaben, den Zweck seines Daseins, dann war er ein gut ausgebildeter Hund.

Sein Erzieher, Lehrmeister, Dompteur, sein Chef hatte ganze Arbeit geleistet. Er hatte mit der Hundeerziehung ein Programm absolviert, das für Menschen wie mich – in ihrem grenzenlosen Respekt vor Leben jeder Art – schwierig zu verstehen war. Aber es war deutlich zu merken: diese Ausbildung hatte dem Meister Spaß gemacht. Sie entsprach sinnvoll seinem Verständnis von Struktur und der logischen Folge von Ursache und Wirkung.

Von Hund zu Hundemensch

So war es nicht verwunderlich, dass wir kollidierten: ich sprach und sang mit dem Tier, ich ging nachts am finsteren Strand entlang und spielte „Verstecken“, ich bastelte Spielzeug und kochte Sahnepudding, er war mein Freund, eine vierbeinige, liebe Seele.

Und immer, wenn ich sagte:“ Du guck doch mal, der hat etwas Menschliches, an ihm ist etwas mir sehr Bekanntes – wer ist er denn? Hier so am Kopf, so zwischen den Ohren, da sitzt etwas vom Mensch.“. Und wenn er mich ansah, hatte ich den Eindruck, dass er regelrecht den Gesichtsausdruck wechselte, wie eine Maske von Hund zu Hundemensch.

Der Hundeherr lachte mich schallend aus: „Du spinnst echt, meine Liebe, Du erfindest Dinge, die unmöglich sind – ein Hund ist ein Hund und bleibt ein Hund, basta!“.

Deutsch Drahthaar: Der gute Freund des Menschen

So gingen die Jahre übers Land. Aus dem Hund (Deutsch Drahthaar) wurde ein sehr ernst zunehmender Begleiter, der einen wichtigen Platz in unserem Leben auf der Insel Rügen eingenommen hatte.

Und mit jeder respektvollen Begegnung wuchs auch die Hundepersönlichkeit, die mehr und mehr zum Spiegel des Menschen wurde, der mit ihm zusammen war.

Vom simplen Befehlsempfänger hatte sich das Tier zu einem Wesen ausgewachsen, das „sich schon mal schämte“ oder „jetzt seine Ruhe haben wollte“ oder „ungehalten und ungeduldig knurrte“, der sich „langweilte“, putzte und auch mal stolz in Position setzen konnte, alles Verhaltensweisen, die mir sehr menschlich vorkamen.

Liebevolle Zuwendung

Und kürzlich sitze ich im Garten, genieße die letzten Sonnenstrahlen und die Abendruhe, höre irgendwo Stimmen und Hundepfotengetrappel und dann etwas, bei dem ich glaubte, mich verhört zu haben.

Da sagt doch der Befehlshaber laut und deutlich mit warmen Schmelz auf der Zunge zu seinem Hund: „So, min lütt Schieding – nun wird es uns zu kalt an den Beinen, nun mache ich dir das Abendbrot und dann bringe ich dich ins Bett. Was haben wir beide für einen schönen Abend zusammen gehabt!“.

Vom Zwei- zum Vierbeiner

Ich spitze die Ohren – singt er ihm jetzt ein Abendliedchen? Wenn ja, habe ich es nicht vernommen – was ich hören konnte, war reichlich Erkenntnis genug: Jawohl doch – dieser Hund hat was Menschliches, denn Achtung und Freundschaft zu einem Tier lassen die Seelen näher zusammenrücken, verständnisvoll vom Zwei- zum Vierbeiner. Kein Hund bleibt im Zusammenleben mit dem Menschen einfach nur ein Hund, da gibt es kein Basta!

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