
Pionierorganisation Ernst Thälmann
Als 1952 in der noch jungen DDR die Pionierorganisation den Namen „Ernst Thälmann“ bekam, wuchs mit dem Stolz auf das blaue Halstuch auch ein neues Gefühl der Wertschätzung für uns Kinder.
Wir fanden in Arbeitsgemeinschaften (Schrottsammeln, Nachbarschaftshilfe, Modellbau) in Zirkel (Malen, Tanzen, Singen) nicht nur neue Freundschaften, sondern auch ein besonderes Gefühl von Zusammengehörigkeit und unerwartete, individuelle Talente.
Lied der jungen Naturforscher
Ein von allen bekanntes Pionierlied – „Die Heimat hat sich schön gemacht“ – war das Marschlied der jungen Naturforscher und wir Mädels schwenkten die Röcke im Tanzkreis bei „Blaue Wimpel im Sommerwind“. Naa? Noch die Melodie im Ohr? Das möchte ich jetzt so einige ältere Semester fragen, denn ich weiß, damit bin ich nicht alleine.
Seit Tagen, wenn ich mit dem Fahrrad an der Küste entlang Richtung Sellin (Ostseebad auf der Insel Rügen) unterwegs bin, quere ich den Fahrradtunnel am Bollwerk und Hafen Sellin, um am Wohngebiet „Alter Gutshof“ vorbei in den Ort zu gelangen.
Dagmar Dölitzsch: Inselkünstlerin für Murals
Und jedes Mal heißt es am Tunnel: Runter vom Rad, schieben, schauen, staunen, denn dort malt Dagmar – und wie sie malt! Unsere Inselkünstlerin für Murals (Wandgemälde) macht aus den tristen Betonwänden der Unterführung eine Begegnung mit Farbe, Schönheit, mit den wunderbarsten Bildern dieser Insel Rügen.
Voller Emotionen, mit dem Kennerblick für Spektakuläres, für das Besondere unserer Heimat wird da ein Kunstwerk geschaffen, das Jeden, mag er es noch so eilig haben, vom Rad holt. Das ist ohnehin besser so, denn alle paar Meter steht ein Bewunderer und fotografiert.
Und ich – ich singe und habe jedes Mal, wenn ich diesen Tunnel gequert habe, einen handfesten Ohrwurm, eine fahrradtaugliche Melodie, nach der ich bestens Tempo machen kann. Ich überhole locker die längst vergangenen Marschierer der Jungen Naturforscher, weil ich weiß: „Die Heimat hat sich schön gemacht“ und – das macht sie alle drei Strophen. Diese beglückende Symbiose von Sehen und Singen kann ich nur empfehlen.
Manfred Streubel Gedicht
”Die Heimat hat sich schön gemach
Manfred Streubel
und Tau blitzt ihr im Haar.
Die Wellen spiegeln ihre Pracht
wie frohe Augen klar.
Die Wiese blüht, die Tanne rauscht,
sie tut geheimnisvoll.
Frisch das Geheimnis abgelauscht,
das uns beglücken soll.


