
Respektlose Göre
Warum ich mit einer gewissen Selbstverständlichkeit Dinge tue, die verboten sind, weiß ich nicht. Ich habe dabei nicht mal ein schlechtes Gewissen. Im Grunde lehne ich Verbote einfach ab oder erkläre sie für absurd. Und mache, was ich will.
Und weil man sein eigenes Nest ja nie so ganz ablegen kann, schiebe ich alles auf meine Erziehung, auf das offene, tolerante, freigeistige Miteinander von Staat und Kirche in unserer Familie. Glaube und/oder Wissen wurde in unserer Familie grenzenlos gehandhabt.
Als ich im Teenageralter mal von der Deutschen Volkspolizei aufgegriffen wurde, weil ich barfuß quer über eine große, frischgrüne Wiese gerannt war, brüllte mich der Ordnungsvertreter fassungslos an: „Das ist verboten! Wenn dies nun alle täten…“. Und ich habe einfach lauthals gelacht und geantwortet: „Wo denn alle? Sehen Sie alle? Macht doch keiner außer mir.“ und hatte nicht im Geringsten das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben.
War ich ein rebellischer Dickkopf? Schlummerte in mir etwas vom Ungehorsam, der die wahre Grundlage der Freiheit ist? Nun, so ganz einfach ist es mit mir bis heute nicht, aber eins ist klar: Manchmal macht es einfach Spaß, das Verbotene zu tun!
Auf verbotenem Wege
Kürzlich habe ich wieder meine Mischung aus Fitness und Meditation absolviert, während meiner Runde durch die Natur, durch das Hövt, entlang unserer „Göhrener Symphonie in Grün und Blau“.
Mit Handtuch unterm Arm steige ich dann meist eine (verbotene, da gesperrte) Treppe zum Strand hinunter, wo ich mit den Schwänen und der Ostsee ganz alleine bin.
Natürlich achte ich immer darauf, nicht ertappt zu werden, denn ich muss ja direkt am von mir ignorierten Verbotsschild vorbei.
Auch an diesem Tag war kein Mensch weit und breit zu sehen.
Also klettre ich über die Absperrung, sehe dabei eine besondere Blüte am Wegesrand, halte an, schaue… und verweile einen Tick zu lange.
Plötzlich Stimmen über mir – eine Gruppe „Waldbader“ guckt mich verblüfft an – mich, die da am Abgang hängt wie ein Hanghuhn, zeigt auf mich und schon in Ansätzen von Empörung höre ich: „Die da… Das darf man nicht!“.
Oh je.
Der Gruppenführer drückt das Kreuz durch, stellt sich in Position und schnauzt: „Was machen Sie da, das ist verboten!“.
Der Spaß am Ungehorsam
Da habe ich an die Stärke meiner Mutter gedacht.
An den Dickkopf meines Vaters.
Und habe charismatisch meine Arme ausgebreitet, die Truppe so lieb angelächelt wie man als Hanghuhn nur grienen kann und gesagt:
„Dann mache ich gerade etwas Verbotenes.“.
Und just geschah ein kleines Wunder.
Ich auch.
Nach einer winzigen Sekunde ging ein allgemeines Strahlen über die waldgebadeten Gesichter.
Einige klatschten gar in die Hände, sie winkten mir zu und der Gruppenführer, locker-relaxt, rief:
„Mach unbedingt weiter so!“.
Und so zogen sie davon.
In der Leichtigkeit eines Rebellen
Weiter runter zum Strand und an anderer Stelle, die ich hier nicht verrate, wieder hoch ins geordnete Dasein. Und ich fühlte mich ausgesprochen gut. Die Empfehlung vom Waldbader lasse ich mir nicht zweimal sagen. Mit einer kleinen Melodie untersetzt, kann man sie laut in die Baumwipfel singen…


