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Novemberblues oder Jahresendstimmung

Blogger 22. November 2025November 27th, 2025Familiengeschichte, Göhren, Inselgeschichte(n), Rügen-Blog

Auszug Gedicht „Traurigkeit“ von Erich Kästner

„Die Trauer kommt und geht ganz ohne Grund.
Und man ist angefüllt mit nichts als Leere.
Man ist nicht krank. Und fühlt sich nur gekränkt.
Es ist, als ob die Seele unwohl wäre.

Man möchte fort und findet kein Versteck.
Es wäre denn, man ließe sich begraben.
Wohin man blickt, entsteht ein dunkler Fleck.
Man möchte tot sein. Oder Urlaub haben.

Man weiß, die Trauer ist sehr bald behoben.
Sie schwand noch jedes Mal, sooft sie kam.
Mal ist man unten, und mal ist man oben.
Die Seelen werden immer wieder zahm.“

November ist keine fröhliche Zeit

Nein, der Monat November ist keine fröh­liche Zeit. Daran ändern auch nichts die Tassen (Schnaps­buddeln und Gläser), die am 11.11. hoch­ge­jubelt werden, was glück­lich­er­weise regional be­grenzt bleibt. Viele Gemüter tragen schwer am November – ich mit­nichten. Aber, darüber wurde bereits berichtet, das muss nicht wieder­holt werden, an­stelle schreibe ich heute über meine Anti­trauer-Aktion.

Es wird wieder bunt

Kürzlich las ich in einer Zeitung, dass der Wohn­ungs­ein­richt­ungs­trend wieder zu mehr Farbe tendiert: Retro der Sechziger Jahre, bunte Wände, knallige Textilien, Kissen, Sofa­bezüge. Fein, dachte ich, das vor­nehme Grau in Schwarz, ge­paart mit Glas in Metall, Akzente als Hin­gucker in Teak sind mega-out. Der Gedanke war ange­nehm, gerade jetzt im grauen Novem­ber. Und irgend­wie muss er sich bei mir fest­ge­setzt haben, denn als ich mich an meiner all­jähr­lichen Bastel­arbeit zum Toten­sonntag machte, geschahen fröh­liche Dinge.

Grabschmuck zum Totensonntag: Basteln für die Gräber

Zur Erklärung: Der Grab­schmuck an­läss­lich des Toten­sonn­tags wird jedes Jahr im November von mir per Hand ge­bastelt und ge­staltet. Keine leichte Aufgabe, denn es müssen vier­mal Grab­schmuck und zweimal Tür­schmuck her­ge­stellt werden, aus Trocken­blumen, Holz­schnitz­er­eien, Tannen­zapfen, Stroh­sternen. Alles vor­handen, nur ge­macht werden muss es.

Und in diesem Jahr sammelte ich, was mir die Natur in den Weg legte: Gold­gelbe Blätter vom Ginkgo, knall­rote Hage­butte, Band aus hellem Bast­stroh, dunkel­grüne Zweige, und ich machte mich ans Werk.

Als alle Gestecke fertig waren, die Tür­kränze bunt und fröh­lich im Wind schaukelten, dachte ich:

„Dunner­ja, ein wenig erinnert meine Novem­ber­arbeit an einen Kinder­geburts­tag!“.

Was ja denn doch nicht so ganz im eigent­lichen Sinne wäre, aber, nun war alles fertig und – nach meiner Ansicht – öffent­lich­keits­tauglich.

Ich habe meine bunten November­bastel­eien verteilt.

Fröh­lichen Herzens.

Farb­tupfer im sonst so all­ge­meinen Grau, denn der Trend geht zu Farbe.

Kopf hoch!