
Auszug Gedicht „Traurigkeit“ von Erich Kästner
„Die Trauer kommt und geht ganz ohne Grund.
Und man ist angefüllt mit nichts als Leere.
Man ist nicht krank. Und fühlt sich nur gekränkt.
Es ist, als ob die Seele unwohl wäre.
Man möchte fort und findet kein Versteck.
Es wäre denn, man ließe sich begraben.
Wohin man blickt, entsteht ein dunkler Fleck.
Man möchte tot sein. Oder Urlaub haben.
Man weiß, die Trauer ist sehr bald behoben.
Sie schwand noch jedes Mal, sooft sie kam.
Mal ist man unten, und mal ist man oben.
Die Seelen werden immer wieder zahm.“
November ist keine fröhliche Zeit
Nein, der Monat November ist keine fröhliche Zeit. Daran ändern auch nichts die Tassen (Schnapsbuddeln und Gläser), die am 11.11. hochgejubelt werden, was glücklicherweise regional begrenzt bleibt. Viele Gemüter tragen schwer am November – ich mitnichten. Aber, darüber wurde bereits berichtet, das muss nicht wiederholt werden, anstelle schreibe ich heute über meine Antitrauer-Aktion.
Es wird wieder bunt
Kürzlich las ich in einer Zeitung, dass der Wohnungseinrichtungstrend wieder zu mehr Farbe tendiert: Retro der Sechziger Jahre, bunte Wände, knallige Textilien, Kissen, Sofabezüge. Fein, dachte ich, das vornehme Grau in Schwarz, gepaart mit Glas in Metall, Akzente als Hingucker in Teak sind mega-out. Der Gedanke war angenehm, gerade jetzt im grauen November. Und irgendwie muss er sich bei mir festgesetzt haben, denn als ich mich an meiner alljährlichen Bastelarbeit zum Totensonntag machte, geschahen fröhliche Dinge.
Grabschmuck zum Totensonntag: Basteln für die Gräber
Zur Erklärung: Der Grabschmuck anlässlich des Totensonntags wird jedes Jahr im November von mir per Hand gebastelt und gestaltet. Keine leichte Aufgabe, denn es müssen viermal Grabschmuck und zweimal Türschmuck hergestellt werden, aus Trockenblumen, Holzschnitzereien, Tannenzapfen, Strohsternen. Alles vorhanden, nur gemacht werden muss es.
Und in diesem Jahr sammelte ich, was mir die Natur in den Weg legte: Goldgelbe Blätter vom Ginkgo, knallrote Hagebutte, Band aus hellem Baststroh, dunkelgrüne Zweige, und ich machte mich ans Werk.
Als alle Gestecke fertig waren, die Türkränze bunt und fröhlich im Wind schaukelten, dachte ich:
„Dunnerja, ein wenig erinnert meine Novemberarbeit an einen Kindergeburtstag!“.
Was ja denn doch nicht so ganz im eigentlichen Sinne wäre, aber, nun war alles fertig und – nach meiner Ansicht – öffentlichkeitstauglich.
Ich habe meine bunten Novemberbasteleien verteilt.
Fröhlichen Herzens.
Farbtupfer im sonst so allgemeinen Grau, denn der Trend geht zu Farbe.
Kopf hoch!


