Katzenmama von der Insel Rügen

Blogger 1. Mai 2018 Juli 12th, 2018 Fundstücke, Rügen-Blog, Tiere

Der Großstadtkater

Es war einmal ein wunderschöner Kater mit dunkelblauem-schwarzgrauem Fell. Der wohnte in einer wunderschönen alten Stadt, mit herrlich alten Häusern und steinalten Straßen. Auch sein Herrchen bewohnte so ein schönes, altes Steinhaus, das täglich von vielen Besuchern bestaunt und bewundert wurde und auch der Kater, im seidigen, dunkelblauen Fellkleid vor der Grundstücksmauer bekam täglich seine Bewunderung und seine „Ach, wie bist du schön“ – Beachtung. So weit, so gut.

Sein Name war von Adel, denn er hieß: „Runter-vom-Sofa“, und damit beginnt die eigentliche Geschichte und das eigentliche Dilemma.

Ja, er war ein schöner Kater, aber er lebte ohne Blume, ohne Vogelgezwitscher, er kannte keine Wiese, kein Gras, ja nicht einmal ein wenig Erde fand er, um sein Bedürfnis würdevoll verbuddeln zu können – nein, nix als Stein. Zum Pieseln schlich der Kater auf die Gasse und setzte sich übers Gitter der Straßenabflußrinne, na klar, das funktionierte auch, entsprach aber in keinster Weise seinem Katzenbedürfnis.

Damit hätte er noch leben können, was ihn aber richtig traurig machte, war, dass er nur als Dekoration zur Verfügung stehen sollte, selbst sein Schlafplatz, das Körbchen, war so attraktiv drapiert, dass es zum äußeren Erscheinungsbild des wunderschönen Hauses passen musste – von wegen mal auf dem Sofa lümmeln oder sich im Sessel zusammenrollen war überhaupt nicht drin.

Ja, Schönheit verpflichtet. Ach, wie gerne hätte der Kater auf diesen Menschenfirlefanz verzichtet.

Zwiegespräch

Eines Tages, auf dem Weg zum Pieselstraßengitter, kam eine Menschenfrau die Straße entlang. Sie ging auffallend langsam und beachtlich leise und als sie den Kater sah, blieb sie in angenehmer Entfernung stehen, beugte sich ein wenig vor und flüsterte: „Tach, Kater – warum guckst Du so traurig?“.

Erst drehte sich der schöne Kater weg von diesem albernen Geflüster, wie das so seine Art war und überlegte, ob er überhaupt antworten sollte – er war allerhand gewöhnt und schon sehr doofe Sachen gefragt worden, aber die Frau lachte leise und fröhlich und entwaffnete ihn mit ihrem: „Komm – tu nicht so…“ und da erzählte der schöne Kater dann doch, was ihm auf der Seele lag und die Menschenfrau hörte zu.

Sie rührte sich keinen Schritt. Im Gegenteil, plötzlich setzte sie sich zum Kater auf den Rinnstein und sagte: „Mein Lieber, das ist natürlich nicht der Brüller, was du mir hier berichtest, aber – das muss nicht so bleiben, hör mir mal zu, ich kenne nämlich eine Katzenmama von der Insel Rügen, der ist es völlig wurscht, wo ihr Kater schläft. Er darf aufs Sofa, ins Bett, in ihren Schrank, einfach überall hin. Der ist es genauso wurscht, ob er zum Haus passt und ob er der Schönste sei. Die hat ihn einfach nur lieb. Die gibt ihrem Kater sogar Küsschen!“. Nee, davon hatte der schöne Stadtkater noch nie gehört – KÜÜÜSSSchen??? Wadisdasdenn?

Der Kater wunderte sich. Auch von Liebhaben hatte er keine Ahnung und so kam er noch etwas näher ran an die Menschenfrau, die so seltsame Dinge erzählte und schnurrte dabei: „Mehr – bitte erzähle mir noch mehr…“.

Ein Kater fliegt sich frei

Und dann hörte er von einem Katzenleben in freier Natur, in einem herrlichen Garten voller Blumen und Gräser und Vögel und Igel. Von unbeschwerten, wilden Wegen und heimlichen Streifzügen, von einer Katzenmama voller Liebe und mit immer vollen Leckernäpfchen, die nur glücklich ist, wenn es den Tieren gut geht, von einem Katerdasein wie im Himmel.

Der wunderschöne Stadtkater war hin und weg. So etwas hatte er noch nie gehört, vorsichtshalber fragte er noch mal nach: „Und die hat ihren Kater echt lieb?“. „Echt“, sagte die Menschfrau, „die will nix weiter als Friede und zufriedene Katzen“.

Der Stadtkater verstummte beeindruckt. Nach einer kleinen Weile fragte er zaghaft: „Kannste die mal von mir grüßen und erzählen?“. Aber die Menschfrau lachte wieder leise und sagte: “Komm Kater, nun tu mal nicht so, ich kenne euch nämlich auch, ihr könnt schlau sein und hexen und zaubern und wenn du das nächste Mal träumst, dann wartest du auf Traumwolke 22, die geht nämlich Richtung liebende Katzenmama, und dann springste einfach kurz auf und bist denn mal weg.“.

Liebe geht eigene Wege

Das gefiel dem Stadtkater außerordentlich, er reckte seine schönen Glieder, schnurrte noch einmal um die Beine der Menschenfrau herum, gab ihr einen Abschiedsstups und wollte schon um die Ecke verschwinden, da fiel ihm noch etwas ein: „Sagste mal bitte Bescheid da drüben im Katzenparadies? Dass ich bei Gelegenheit zu Besuch komme?“.

Das hat die Katzenfrau natürlich nicht vergessen, sondern dem beschmusten Gartenkater alles ordentlich ausgerichtet und ihm von der Begegnung erzählt. Nur die Katzenmama hat keine Ahnung, denn die wollten alle Beteiligten nicht unnötig ängstigen – die wundert sich jetzt nur, dass ihr Lieblingskater von Zeit zu Zeit unerklärlicherweise einfach unauffindbar ist oder nächtelang nicht nach Hause kommt – tja, dann kam eben mal wieder Wolke 22 und ein sehr, sehr schöner Stadtbesuch vorbei…

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