Mein Garten auf Rügen

Das geheime Netz­werk der Blumen

Frei nach Peter Wohlleben und sehr nahe dran: Meine Garten­pflanzen kommunizieren mit­ein­ander. Sie tauschen nicht nur Stand­ort, sondern auch ihr Out­fit. Ähnlich, wie es der bekannte Waldmann und Autor, Peter Wohl­leben beschreibt – Es existiert ein Netz­werk der Bäume, der Tiere und nun auch, ganz offen­sicht­lich, ein Netz­werk der Garten­blumen. Dies konnte ich augen­schein­lich ver­folgen, ich hätte es sonst nicht für möglich gehalten.

So ungläubig wie die Blumen­freundin und Züchterin des „Doppelten Mohn“ auf meine Fotos reagierte: „Nein, das gibt es nicht! Doppel­mohn ist immer rosa!“ und sie schickte mir, völlig ver­blüfft, Beweis­fotos ihrer blühenden Mohn­pracht. Keine Frage. alle Blüten im prächtigen baby­rosa. Mit­nichten so in meinem Blumenbeet.

Eigenbrötler Samthortensie

Aber zurück zum An­fang: Auf­fällig wurde eine mir un­be­kannte Pflanze am Rande der Bauern­horten­sien, die sich mit prächtigen Samt­blättern breit machte – ohne Blüte. Ich hatte sie weder gesät noch ge­pflanzt, fand das Samt­blatt hübsch und ließ sie stehen.

Im nächsten Frühjahr sah ich sie wieder, stolz im Wuchs und kräftig im Stamm, an der anderen Seite des Horten­sien­beetes. Wieder keine Blüte. Im Jahr darauf hatte sie mittig ins Beet ge­wechselt, dieses Mal voller dicker Knospen und später mit einer Blüte, die mich auf­horchen ließ – foto­grafiert, bestimmt, definiert als Samt­horten­sie. Aha. Will­kommen, du horten­sischer Wander­vogel. Mal schau ‘n, wo du im nächsten Früh­jahr stehen wirst.

Ähnliches erlebte ich mit den Funkien. Denn ich habe im unteren Beet eine statt­liche Reihe grün-weiß ge­flammter Funkien­blätter und ober­halb der Treppe, ca. 6 m entfernt, eine neu­ge­pflanzte Funkien­sorte mit kleinen, dick-tiefgrünen Blättern.

Im Frühjahr darauf hatte sich die eine Hälfte der grün-weiß geflammten Funkien, und zwar die zur Treppe geneigte Reihe ent­schieden, nun auch im tief­grünen Kleidchen in den Sommer zu schauen. Die fanden das neue Grün chic, die andere Hälfte blieb beleidigt im ge­flammten Weißgrün.

Gewandelte Mohnblüte

Die totale Über­rasch­ung zum Thema „Netz­werk der Garten­blumen“ aber erlebte ich mit dem doppelten Mohn. Eine Garten­freundin hatte mir Fotos ihrer prächtig blühenden Mohn­reihen ge­zeigt: Strahlend hell­rosa Mohn mit gedoppelten Blüten­stand, puschlig, wie Ballett­röck­chen, wunder­schön wie noch nie im Garten gesehen.

Ich war sofort dabei – ein „must have“. Kein Problem, ein Tütchen mit Mohn­samen kam mit der Post, Anleitung dazu – im Früh­jahr locker aus­streuen – was ich gründ­lich tat. Unter anderen ging eine Hand­voll Mohn­samen mitten­mang meines Rosen­beetes. Dunkel­rote Rosen und hell­rosa Mohn, dachte ich, könnte attraktiv aussehen.

Ich hätte weniger denken und mehr Peter Wohlleben fragen sollen. Was sich dann zusammen wuchs in dieser Komposition aus dunkel­roten Rosen und rosa Mohn glaubt mir kein Mensch – ja, meine Garten­freundin bezichtigte mich sogar, ich „hätte mit Rot­wein gedüngt“: Als die Mohn­pflanzen in etwa die gleiche Höhe hatten, wie die Rosen, und ihre Knospen öffneten, entfalteten sie ihre doppelte Pracht in – dunkelrot!

Im Rückschluss, das wird jetzt niemanden verwundern, erblühten meine Rosen im zarten Rosa und waren offen­sicht­lich bemüht, sich auch im Äußeren, im Blüten­stand, dem Mohn an­zu­gleichen. So sehr, dass ich Mühe hatte, die Pflanzen aus­ein­ander zu halten, was eigent­lich nur im Ver­gleich mit den Blättern gelang.

Ich habe eine derart gründlich vor­ge­führte Ver­netzung von Garten­pflanzen noch nie erlebt und bin nach­haltig be­ein­druckt – was spielt sich außerhalb unseres Gesichts­feldes noch alles ab, was werde ich zukünftig bei meinen Pflanz­aktionen erleben können? Es bleibt spannend.

Farbenspiel im Blumenbeet

Am Rande des Blumen­beetes hat sich eine stolze Glocken­blume gerade gemacht.

Sie punktet mit der Farbe Blau.

Ich habe sie im Auge. Denn sie wäre der ideale Beitrag zur Regen­bogen-Farb­palette.

Und mein kleines Blumen­beet damit ein Beitrag zur blüten­farbigen (zwischen­mensch­lichen) Toleranz­bereit­schaft.