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Ganz natürlich, von Mensch zu Mensch im Wald

Blogger 3. August 2023November 4th, 2023Göhren, Inselgeschichte(n), MV, Rügen-Blog, Rügen-Urlaub, Streifzüge, Weisheiten

In der Natur unterwegs

Ist man in der Natur unterwegs, verhält sich der Mensch angemessen natürlich. Und im Wald verhält er sich am besten sogar ganz still und dazu den Mund. Das wurde uns Kindern beizeiten beigebracht und hat uns über die folgenden langen Jahre des Erwachsenwerdens nicht nur besondere Naturerlebnisse, sondern auch das einmalige Gefühl vermittelt, im Wald „baden“ zu können, wir wissen, die Natur kann heilen.

Und das Reh, nur wenige Meter von dir entfernt, bleibt lange stehen und schaut dich an – wenn es sich nicht vor dem Menschenlärm zu fürchten braucht.

Wohlleben im Wald

Da braucht es kein Populärwissen vom Meister Wohlleben, dieses kenntnisreiche Verhalten lernte ich bei meinem großen Bruder, dem Förster, von Kindesbeinen an. Und so öffnen sich alle Sinne, wenn ich einen Wald betrete, gleichzeitig schließt sich nachhaltig der Mund. Nachteilig wirkt sich dabei aus, dass besonders die zivilen Geräusche von Menschen mit Hauptbahnhofgewöhnung überdimensional wahrgenommen werden.

Zum Beispiel: Wandergruppen, die sich über Gaststättenangebote und Preise unterhalten, streitende Kinder, übermüdete Babys im Beutel und oft auch Pärchen im Dialog über die Weltliteratur oder über die Liebe, die hört der Leisetreter im Wald meilenweit.

So, wie kürzlich erlebt, von Mensch zu Mensch: Die beiden, Mann und Frau, vor mir auf dem Waldweg, sind derart mit sich selber beschäftigt, dass sie mein Alarmgeräusch, das Hüsteln, gänzlich ignorieren.

Die beiden sind im Stress. Ich bin mir sicher, dass sie überhaupt nicht wissen, wo sie sich gerade befinden, schade. Oder aber: schadenfroh. Denn, als ich unmittelbar hinter ihnen bin, höre ich den Mann sagen (und er sagt es deutlich mit Bedauern): „Gestern war richtig Äkdschen in Sellin am Strand, da war Gestört – aber – geil…“.

Darauf sie (und sie sagt es deutlich in schadenfroher Schärfe): „Kann überhaupt nicht sein – du warst den ganzen Abend bei mir hier in Göhren.“.

Holla, habe ich gedacht – da schwappt ein gewisses Maß Leidensdruck an die Oberfläche weiblicher Emotionen und sofort (ohne Hüsteln) den Weg gewechselt.

Auf dem Weg nach Hause fiel mir Jener, der nur mit dem Herzen gut denkt, wieder ein und seine weisen Worte: „Wie wenig Lärm machen die wirklichen Wunder.“.

Ab in den Wald.

Stille.