Weihnachtsbrief an meine Katze

Blogger 16. Dezember 2019Göhren, Inselgeschichte(n), Jagd, Rügen-Blog, Tiere

Tapfer sein: das Weihnachtsfest steht vor der Tür und du bist auf Diät gesetzt

Meine liebe Kiki-Katze, du musst jetzt mal ganz tapfer sein: das Weihnachtsfest steht vor der Tür und du bist auf Diät gesetzt, jawohl!

Nicht, dass wir dich für zu mollig halten, keine Rede von Schlankheitskur, überhaupt nicht. Denn unerschütterlich machen wir beide, nach wie vor, unsere „Gassi-Runde“ rund ums Eck und lassen dabei sämtliche unqualifizierte Bemerkungen der dussligen Passanten wie, „Guck mal, ein Muff mit vier Pfoten“ oder „diese Fellwalze war mal eine Katze“ schnöde an uns abrinnen.

Alle Hauskatzen werden im Winter dick. Das liegt am dichten Fell, versteht sich. Und da wir dich, meine Katze, nicht erst seit dem gestrigen Winter kennen, ist das kein Thema für uns. Also keine Hungerkur. Nein, es geht um etwas Anderes.

Katze in Abstinenz

Denn in diesem Jahr gibt es keinen Alkohol, nix, null. Da musst du jetzt durch.
Ich weiß natürlich, dass du längst vergessen hast, wie elendig schlecht es dir vor einem Jahr ging, wie hundeübel dir war, wie fürchterlich du gelitten hast unter einem „Kater“, der mit deiner Rasse nicht das Geringste zu tun hatte.

Krank warst du, und siech und du hast mir geschworen, dass du nie wieder einen Tropfen Alkohol anrühren wirst, bis an dein Lebensende… Du alte Säuferin, du!

Du weißt nicht mehr, wovon ich rede?

Ach, wären mir doch Fotos vom Tathergang gelungen, ach, hätte ich doch nur die Spurensicherung an den Tatort gelassen – die Beweisführung wäre gesichert!

So aber schreibe ich dir einen Brief, zur gefälligen Erinnerung, meine Liebe, und den kannst du dir hintern Spiegel klemmen:

Heiligabend vor einem Jahr. Kerzenschein, Musik, die Weihnachtsgeschichte, Geschenke und Glückseligkeit. Rund um den Weihnachtsbaum auf dem Fußboden verstreut die bunten Bänder, das Geschenkpapier, dazwischen unsere Bunten Teller, letztere sorgfältig nach individuellem Geschmack reichlich bestückt.

Dann kam für alle das Signal zum Aufbruch – ab in die Kirche zur Weihnachtsandacht. Was für ein wohliges Gefühl ist doch das Wiederkommen. Zu wissen, dass dort Zuhause Geschenke, Leckereien und Gemütlichkeit warten. Ganz warm wird`s im Bauch vor Glück. Leider nur bis an die Schwelle zum Wohnzimmer. Dort blieben wir gebannt stehen. Irgendetwas Unvorhergesehenes musste geschehen sein.

Der Fußboden war übersät mit Schnipselchen von Silber- und Goldpapier, halbaufgerissene Pralinenstücke lagen klebrig dazwischen, beim Gehen machte jeder Schritt einen satten Schmatz – ja, wer hatte denn hier so unkontrollierte Völlerei betrieben?

Und in der Ecke, meine liebe Katze, lehntest du mehr oder weniger lässig an der Fußbodenleiste, ein Auge geschlitzt, das Andere schielte uns an, du schienst unbeweglich und gabst seltsame Geräusche von dir. Ich ahnte Fürchterliches. Hatte ich doch in dem Schnipselpapier die Restverpackung von den Likörpralinen, aufgefüllt auf den Bunten Tellern, identifiziert.
Auch die Bissspuren an den verstreuten Schokoladenstückchen waren nicht zu übersehen als eindeutige Beweise.

Panik brach aus, Geschrei, Gerenne: „Katzen dürfen keine Schokolade fressen, sie vergiften sich!“. Was tun? Sofort zum Tierarzt? Am Heiligabend?

Doch du, Katze, hattest dich nicht an der Bitterschokolade vergriffen, nein, du warst schlicht besoffen, du hattest die „Mon Chéri“ angefressen, um an den Likörinhalt zu kommen. Und dabei – zum Glück – nur ein wenig Milchschokolade vom Bunten Teller gefischt.

Danach war die Katze selenruhig eingeschlafen, keinerlei Anzeichen von Vergiftung, einfach nur ein Gläschen zu viel…

Keinen Alkohol für die Katze!

Den nächsten Tag begrüßte unsere Katze überaus verkatert. Faul schlich sie um ihren Fressnapf, versäumte aber nicht, eine suchende Runde um den Tannenbaum zu absolvieren. „Nein“, hieß es sofort, „keinen Alkohol für die Katze!“.

Aber, als mein Mann ein Stückchen Schokolade auswickelte, sie das Knistergeräusch des Einwickelpapieres hören konnte, sah ich ihren Jagdblick – schmale Augenschlitze, punktgenau gerichtet auf das Objekt ihrer Begierde.

Und bevor ich ihn warnen konnte, war sie mit einem Satz auf seinem Sessel, langte hoch zu seiner Hand und der begehrten Leckerei.

Mein Mann saß, wie vom Donner gerührt. Für gewöhnlich halten die beiden, Mann und Katze, respektvollen Abstand. Noch dazu ihm sehr genau bewusst ist, wie diese Katze zulangt – man hat sehr lange etwas davon! Und so – dem Leser wird es nicht verwundern- bekam die Katze, was sie wollte: ihr kleines Stückchen Schokolade, Milchschokolade, versteht sich – Alkohol ausgeschlossen!

Tja, was soll man dazu sagen – allen Regeln zum Trotz machst du, Katze, was du willst. Und wirst dabei immer runder, gesünder und immer älter.

Unsere Kiki wird 15 Jahre alt

Im nächsten Jahr geht unsere Kiki in ihr 15. Lebensjahr, und es besteht überhaupt kein Zweifel, dass wir, ihre Dienerschaft, uns noch einige Zeit in demutsvoller Unterwürfigkeit üben werden. Unsere Bunten Weihnachtsteller allerdings, hängen seitdem, flaschenzuggerecht, neben der Lampenschale… Leckereien werden zugeteilt.

Meine liebe Katze, dieser Erfahrungsbericht soll dir eine Erinnerungsstütze sein, soll dir helfen, sich zu mäßigen und sich artgerecht zu verhalten.
Auch, wenn ich jetzt schon weiß, wie du mich herumkriegen wirst. Inzwischen, das höre ich ganz deutlich, hast du dir angewöhnt, in deiner Katzensprache „Ja“ und „Nein“ und „na endlich“ zu sagen.

Braucht neben meiner Katze hier noch Jemand einen Tipp für gute Vorsätze 2020?
Sehr einfach: Leckereien gaaaanz hoch hängen…

Was denkt Ihr? Schreibt es uns!