
Ende im Gelände, Schluss mit Lustig, aus die Maus
Ja, das waren traumhafte, fast unwirklich schöne, so seltene Wintertage an den Stränden unserer Küste vor der Insel Rügen – ein Eiswinter, wie wir ihn lange nicht erlebt haben. Oder, noch nie? Ich konnte sie gut verstehen, die Begeisterung der Ostseeurlauber angesichts der weißen Pracht.
Habe mich auch gefreut, mein letzter, selbstgebauter Schneemann liegt Jahrzehnte zurück. Nun liegt er lang, übrig ist ein kleines Häufchen Schneematsch mit Mohrrübe, gänzlich fehl am Platze. Und der Februar verabschiedet sich im Dauerregen.
Was sagte der alte Pfau immer? „Gut, dass die Häuser hohl sind.“.
Denn nun ist wieder Zeit für Bücher, für lustige oder kluge Worte, Zeit für Nachdenklichkeit.
Stöbern auf plattdütsch
Ich habe für euch mal wieder in meinem Bestand „Plattdeutsche Literatur“ gestöbert (viel mehr zu finden im Blogbeitrag „Plattdeutsche Sprüche, Gedichte und Geschichten“). Meine damalige Dozentin, die von mir hochverehrte Renate Herrmann-Winter, hat eine köstliche Sammlung bei Hinstorff (1989) herausgegeben, die jede Regenstunde vergoldet und beim Lesen als Geschenk empfunden wird.
Am besten ist es, plattdeutsche Literatur laut zu lesen, mehrmals, bis das eigene, zaghafte Lächeln sich zum fröhlichen Grinsen ausgebreitet hat, bis man sie spürt, die Umarmung der Worte direkt ins Gemüt.
Und was sagte die alte Grete Pfau? „Bisschen beten geht immer.“:
„Herr Gott, nu geiht mien Dachwark an,
nun stah mi`n bäten bi,
dat ik mien Daun vollbringen kann,
as deest du dat dörch mi.
Un giff mi eenen kloren Kopp
un eenen goden Mot,
un paß`n bäten för mi up,
ik glöf, denn ward dat good.
Lat mi nich bang`warden un nich grugen,
sonnern di glöben un vertrugen.“.
Dies kam aus tiefsten Herzen vom Pommerschen Altbischof Horst Gienke (1930 – 2021) als Gebet weitergegeben an seine Glaubensgemeinde der evangelischen Landeskirche Greifswald und an meine Mutter, die zwar kein Plattdeutsch sprach, aber von dieser unvergleichlichen Herzlichkeit fasziniert war.
Das gesprochene Wort (von Ruth Bahls)
Ich folge seit Jahrzehnten dem Rat meiner Wegweiserin in der Mönchguter Geschichte, Frau Ruth Bahls, die mir sagte: „Schau dem Volk aufs Maul!“. Und so wie sie unermüdlich Zeitzeugen sammelte, so beharrlich war sie beim Festhalten am Alten, „Schreib` alles auf!“, sagte sie immer wieder, „Der Nächste erinnert sich nicht mehr.“. Leider ist viel zu wenig aufgezeichnet worden und bedauerlicher Weise wird immer weniger Plattdeutsch gesprochen. Es sind die alten Geschichten, die in Familien, im Freundeskreis weitergegeben werden, sie sind ursprünglich, authentisch, voll Herzenswärme und Mutterwitz.
Höre ich eine dieser Geschichten, stürze ich mich sofort drauf, in der Gewissheit, etwas ganz Seltenes, Einmaliges erlebt zu haben – und ja, Frau Ruth Bahls, ich schreibe sie auf.
Erzählt, gehört, aufgeschrieben
Über Oma Otti, eine längst gegangene Persönlichkeit, eine vom starken Charakter geprägte Institution innerhalb der großen Familie Pisch (Alt Reddevitz auf der Halbinsel Mönchgut) wird viel erzählt, besonders aber bleiben ihre kleinen Sprüche, ihre Weisheiten, ihr besonderer Humor in Erinnerung.
So wird erzählt, dass bei einem Besuch der weitverzweigten Verwandtschaft auch alte Fotoalben auf den Tisch kamen. Über das Betrachten der Jungen und der Alten, Oma und Opa, Onkel und Tanten, Cousine und Großcousins verlor selbst Oma Otti den Überblick, schließlich war sie die Letzte, die vergilbte, alte Aufnahmen noch zuordnen konnte.
Auf eine Frage, wer denn wohl hier auf dem Gruppenfoto alles zu sehen sei, antwortete sie: „Dat is hei, un dat is sei. Un dat is de anner sin Frau.“.
Genial getroffen, alles gesagt. Und so berichte ich weiter über Oma Otti und beim nächsten Mal öwer de „Sturmsupp“, bleibt dran, eure „Balance-Mari“.


