Das letzte Kompliment meines Lebens

Blogger 5. April 2019 April 7th, 2019 Göhren, Inselgeschichte(n), Rügen-Blog, Streifzüge, Tiere

Mit Nachbars Hund ab an den Strand

Es war der erste schöne Frühlingstag in diesem Jahr auf Rügen. Mal ohne den eiskalten Wind, der durch alle Fugen pfeift und in jedem Falle auf Gänsehaut trifft. Ohne Tropfnase und tränende Augen. Aber mit Sonne, mit richtigen, warmen Strahlen, die unter die Haut gingen.

Und da war es plötzlich wieder, das Gefühl vom vergangenen Jahr, von Farben und Licht und von Strand, ein Gefühl, das unsere Haut dehnte und unsere Seele weich werden ließ. Einfach herrlich.

Bin nicht mehr 30 oder 40, gar nicht mehr 50 – aber Mode macht Spaß
Und so fummelte ich mir meine Sommerjeans hervor, die leichte Daunenjacke, das passende Schultertuch und natürlich die neue Sonnenbrille, die ich im SSV der vorigen Saison irgendwo gekauft und noch nie ausprobiert hatte.

Dann griff ich mir Nachbars Hund – und zog beglückt ab an den Strand.

Privates Sonnendeck am Hochufer in Göhren

Weit hinten am Südstrand in Göhren, Richtung Hövtspitze und Steinsetzung der Mole, dort, wo kaum noch Jemand zu finden war, hier, wo man mit der wilden Natur ganz alleine ist, dort machte ich Rast. Jeans hochgekrempelt, Tuch um die Hüften geknotet, fand ich ein lauschiges Plätzchen unterhalb des Hochufers. Hier waren eine beachtliche Zahl Bäume abgerutscht und sie bildeten mit ihrem Stamm- und Astgewirr eine wunderbare, umzäunte Terrasse. Der Hund legte sich zu meinen Füssen. Außer Wellenplätschern war nur noch sein zufriedenes Schnaufen zu hören.

Strandidylle pur.

For eyes only

Plötzlich aber richtete sich der Hund auf, ich spürte Schatten auf meinem Gesicht und erschrak, als ich zwei Männergestalten im Gegenlicht erkennen konnte.
Sie standen direkt vor mir, und ich, noch sprachlos vor Schreck, schaute völlig unvorbereitet in ein Paar graublaue Männeraugen – ziemlich lange.
So lange jedenfalls, dass ich meinem Gedanken Raum geben konnte:

„Donnerwetter“, dachte ich, „das sind ja Augen, wie unsere Ostsee im Herbst gucken kann“. Der fremde Strandwanderer schaute immer noch und ich hoffte, er würde in diesem Augenblick denken: „ Donnerwetter, die hat ja so grünblaue Augen, wie die Ostseefarbe im Frühling.“.

Und genau in diesem Augenblick hörte ich das vermutlich ungewöhnlichste und wahrscheinlich auch letzte Kompliment meines betagten Lebens, da sagt doch der Besitzer der Herbstostseeaugen: „ Aha – hier also geht’s nach Hollywood.“.

Na, meine Damen, ist das was?

Leichtfüßig, mit einem Frühlingslied auf den Lippen und Sonne im Bauch ging es später nach Hause. Das Lächeln an mir blieb, lange bis die Sonne schon längst untergegangen war.

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