Findling Nardevitz auf Rügen

Der große Stein bei Nardevitz – Eine Entdeckung auf Jasmund

In ihrer unvergleichbaren Schönheit ist unsere Insel Rügen mit den langen, feinen Sandstränden, den Buchenwäldern, Kreidefelsen, Kliffkanten und Boddenlandschaften wahrhaftig eine „Symphonie in Grün und Blau“ – und einmalig an abwechslungsreichen Landschaftsformen.

Unzählige Studien, Reisebeschreibungen, Bildbände oder wissenschaftliche Untersuchungen belegen diesen ganz besonderen Inselcharakter. Selbst Einheimische reiben sich verblüfft die Augen, wenn wieder ein besonders gelungener Fotoblick diese Schönheit aus anderer Perspektive dokumentiert, und hinlänglich bekannte Landschaft wie neu bewundert werden kann.

„Dat wier doch bi uns um de Eck“ heißt es dann erfreut „ mannig, wat is dat scheun bi uns!“.

Ja, diese Schönheit wurde schon oft besungen – diesem Lied brauche ich keine weitere Strophe hinzuzufügen, ich weiß jetzt aber, warum ein Findling „Findling“ heißt, und darüber möchte ich berichten.

Besondere Steine auf Rügen

Unsere Insel Rügen ist steinreich, doch, das kann man so sagen. Und damit meine ich nicht den Steinstrand, der zum Kummer der Badeurlauber viele Boddenbuchten und auch die Ostseeseite holprig und schwer begehbar macht, ich meine die zahlreichen Findlingsblöcke und Hünengräber, die das Landschaftsbild der Insel Rügen so nachdrücklich prägen.

Doch – wo sind sie hergekommen? Warum findet der aufmerksame Wanderer diese steinernen Blockriesen besonders oft an der Ostseite der Insel Rügen?

Während des Eiszeitalters (Pleistozän), in einem längeren Zeitraum von etwa 300 000 – 500 000 Jahren, drang vom Norden eine riesige, mehr als 1000 m starke Inlandvergletscherung über das Ostseebecken und über unser Land. Mächtige Steinfelder wurden geschoben, Steinblöcke und Findlinge über eine Strecke bewegt, die uns heute unvorstellbar ist. Diese Naturkräfte machen uns atemlos.

Die größten Findlinge auf Rügen

Alte Karten und Meßtischblätter verzeichnen noch vor 150 Jahren diesen „Steinreichtum“ in ganzer Pracht, bevor „Chaussee-Bahn- und Molenbauten des 19. Jahrhunderts unter den Findlingen aufräumten“. (Aus: Die größten Findlinge der Insel Rügen, H. Schmidt, 1965)

Doch die größten und beeindruckenden Exemplare sind vermessen, aufgezeichnet und werden benannt:

  • der Blockstrand bei Arkona
  • Ziegensteine östlich von Klein Stresow
  • Opferstein zu Quoltitz
  • Blöcke vor dem Zickerschen Höft
  • Großer Stein am Lobber Ort
  • Stein an der Uferpromenade von Sassnitz
  • der Schwanenstein bei Lohme
  • der Buskam vor Göhren, der mit ca. 600 m² als einer der größten Geschiebeblöcke Norddeutschland angesehen wird

Alle diese riesigen Steine wurden vermessen, fotografiert und sind den meisten Inselbesuchern bekannt, alle, bis auf einen.

Der große Stein bei Nardevitz

Seine Besonderheit gründet auf zwei Fakten: erstens durch seine Größe (a = 8 m, b = 4,50 m und c = 1,50 m über Flur an der Westseite. 3,50 m über Flur an der Ostseite und ca. 2 m unter Flur an der Ostseite), die ihn mit 104 m³ (ursprünglich 130 m³) als zweitgrößten Findling auf Rügen bezeichnet.

Die zweite Besonderheit besteht in der Tatsache, dass er 1854 benutzt wurde, um Material zur Denkmalgestaltung zu gewinnen (Für die Preußensäulen, zwei über 15 m hohe Denkmäler, die in den Jahren 1854 und 1855 im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. bei Neukamp und Groß Stresow auf Rügen errichtet wurden.)

Der gewaltige Granitstein hat durch die Absprengungen eine unregelmäßige Form und ist nur teilweise freigegraben, deutlich zu erkennen sind Rinnen, die von diesem Vorhaben übriggeblieben sind. Während der Entdecker an der Westseite den riesigen Stein gut erklettern kann, steht man an der freigelegten Seite tatsächlich, wie in einem Steinbruch.

Angeblich – so erzählt der Volksmund – soll der Stein im Originalzustand so mächtig gewesen sein, dass auf seiner Oberfläche ein Vierspänner hätte umwenden können!

Das macht neugierig?

Liebe Rügen-Entdecker, dann sucht den Weg Richtung Lohme. Von Nardevitz führt ein Weg am kleinen Bach entlang zum Ufer und zum Rugeshus. Nach ca. 300 m entdeckt ihr mitten auf dem Acker ein Holundergebüsch. Das ist euer Ziel.

Und wenn ihr erfolgreich gelandet seid, dann wißt ihr, warum diese riesigen Steine „Findlinge“ genannt werden – man muss sie nämlich finden…

Was denkt Ihr? Schreibt es uns!