Sie sind wieder da!

Unsere ersten Frühlingsverkünder haben das Göhrener Hövt besetzt. In jedem Jahr ist es eine neue Freude und die spannende Erwartung: „Kommen sie wieder, unsere Blauäuglein, die Leberblümchen?“.

Und tatsächlich. Plötzlich gucken sie durch den welken, alten Blätterteppich unter unseren Buchen im Hövt. Plötzlich leuchtet es Himmel-, Wasser- und Veilchenblau aus allen Ecken, die der Wanderer in den Buchenwäldern der Insel Rügen entdecken kann.

„Tacho ok, lüttes Ööchen.“

Und wir, die wir jede Stelle genau kennen, begrüßen die kleinen blauen Hoffnungsbringer, wie alte Bekannte: Jedes Jahr mit neuem Jubel, in jedem Frühjahr, als sähen wir sie zum ersten Mal. Gestern fand ich sie im Gagerschen Hövt, an der Klippe, in Grußhaltung zu den Wellen der Hagenschen Wiek.

Und als ich mich im Gras langmachte, um ein Foto zu bekommen, meinte mein Mann: „Betest du jetzt schon die Ööchens an?“. „Na“, konnte ich da nur sagen: „Wonach sieht‘s denn aus? Genau das mache ich nämlich!“.

Häuser her – Natur weg!

Und wer weiß, vielleicht wird ein Stoßgebet bald notwendig sein. Denn abgesehen von einer durchaus angebrachten Dankbarkeitshaltung für dieses kleine, blaue Wunder ist nicht zu übersehen, dass sie weniger werden, der Blütenteppich der Leberblümchen Jahr für Jahr immer spärlicher.

Bleibt gelassen, ihr Unken und Nörgelfritzen – dafür vermehren sich die Ferienwohnungen in freier Natur nicht nur in rasanter Schnelligkeit, sie werden auch immer massiver und höher. Und von da oben kann man sie sowieso nicht mehr erkennen, die kleinen blauen „Ööchens“ im Laub der Buchenwälder.

Was denkt Ihr? Schreibt es uns!