Möwe und Fischer auf Rügen

Von Menschen mit Fischen und Möwen

Seit vielen Jahren ist der Hafen Gager mein Fischmarkt. Die Lieferung kommt fast immer zuverlässig, manchmal sogar auf Bestellung, oft mehr als erwartet oder auch anders, als auf dem Wunschzettel vermerkt war. Halt so, wie es das Meer uns gibt und so, wie es der Fischer in seinen Netzen hatte.

Fisch kaufen im Hafen Gager

Seit vielen Jahren ist der Hafen Gager mein Fischmarkt. Die Lieferung kommt fast immer zuverlässig, manchmal sogar auf Bestellung, oft mehr als erwartet oder auch anders, als auf dem Wunschzettel vermerkt war. Halt so, wie es das Meer uns gibt und so, wie es der Fischer in seinen Netzen hatte.

Räucherfisch ist individuelle Kunst

Auch der Räucherfisch kann wirklich ganz unterschiedlich schmecken – jeder Fischer hat sein Geheimrezept, in dem die Auswahl des Räucherholzes, das Salz, die Dauer, die Art der Fischhängung usw. eine Rolle spielen. Und was für eine!

Selbst jetzt noch, beim Schreiben, habe ich den Geschmack der Räucherflundern auf der Zunge, die von meinem Lieblingsfischer auf eine ganz besondere Art produziert werden. Es sind, ganz ohne Übertreibung, die allerbesten Räucherflundern meines Lebens. Und ich habe schon viele probiert!

Zuschauen und Zuhören am Hafen

Direkt beim Fischer einkaufen zu können, ist ein Erlebnis. Bevor der Fisch im Beutel ist, kann man das Anlanden, das Sortieren und „Utpuken“, Säubern, Filetieren beobachten. Und man hört zu, wenn sie erzählen, was sie unterwegs erlebt haben, wie sie sich gegenseitig foppen, im gutmütigen, gemütlichen Plattdeutsch ihren Arbeitsalltag kommentieren.

Am Anlandeplatz warten immer schon die Katzen, fünf dicke, selbstbewusste Hafenkatzen, die ein absolutes Team bilden und unerschütterlich ihren Platz behaupten. Völlig unbeeindruckt von den Möwen, die das Fangboot umrunden und jeden, aber wirklich jeden „Nebenbei – Happen“ im Blick haben. Was die Katzen nicht mögen, haben sie dann im Schnabel.

Möwengeschichte von der Insel Rügen

Eine der großen, grauen Möwen fiel mir auf. Sie hielt sich erstaunlich dicht neben der königlichen Katzenbande auf und machte nur gelegentlich einen Hopser zur Seite, wenn es arg zu enge wurde.

Ich beobachtete dieses ungewöhnliche Miteinander und sah dann plötzlich, wie die Möwe an einem so großen Fischbrocken zerrte, dass es selbst der Frau Königin Katze Paula auffiel. Und die schlich herbei, schnappte sich das andere Ende der Fischmahlzeit und beide, Möwe hier – Katze da, verarbeiten in friedlicher Gemeinsamkeit ihre Ration.

Ich war zu verblüfft, um an ein Foto zu denken, ich stand und staunte!

„Habt ihr das gesehen?“, rief ich den Fischern zu, „hier futtern Möwen und Katzen zusammen!“.

Die arbeiteten völlig unbeeindruckt weiter. „Sach` man bloß, du kennst die Geschichte von der Möwe nicht“, meinte der eine Fischer. Und dann hatte ich sie, diese unglaubliche Geschichte vom Menschen und Fischen und seiner Möwe…

Eine Möwe als „Haustier“

Mein alter Lieblingsfischer, der mit den Zauberräucherflundern, wurde seit geraumer Zeit jeden Morgen, wenn er zu seinen Netzen hinaus fuhr, von einer Möwe begleitet.

Sie hatte ihren Platz vorn in der Bootspitze, den sie regelmäßig besetzte und erst wieder frei gab bei Einfahrt in den Hafen.

Anfangs glaubte der Fischer an Zufall, an eine ihm nicht bekannte Größe, die diesen Platz in seinem Boot für Möwen interessant machte.

Dann begann er, diese Möwe zu beobachten, und tatsächlich, es war immer Dieselbe.

Seine Fischerkollegen machten sich darüber lustig, sie foppten ihn als Vogelfänger, Möwendresseur, fragten ihn, ob er seinem Vogel auch das Sprechen beibringen würde und wunderten sich: was wollte diese Möwe immer dort auf demselben Platz im selben Boot?!

Mein alter Fischer wunderte sich auch.

Aber, da sich nichts änderte an dem Procedere, gewöhnten sich alle an den täglich mitreisenden Vogel.

Rettung für die Möwe

Eines Tages aber fehlt sie. Keine Möwe. Der Fischer ist unruhig, er merkt, wie sehr er sich an ihre Anwesenheit gewöhnt hat – und er ist ein wenig traurig, ein Abschied, denkt er.

Und dann, auf dem Wasser, kommt sie plötzlich angeflogen, setzt sich wieder auf ihren Stammplatz im Boot und schaut den alten Fischer an – der schaut zurück und muss zweimal genauer hinsehen: der halbe Kopf der Möwe und der Schnabel haben sich in einem Rest Fischernetz verheddert, die Möwe kann den Schnabel gar nicht richtig öffnen.

Sie wird verhungern, begreift der Fischer beim Anblick der Möwe, ich muss irgendwie helfen!

Mit seinem Messer in der Hand nähert er sich vorsichtig seiner „Patientin“ und tatsächlich, die Möwe bleibt sitzen.

Sie erwartet ihn, der sich langsam heranschleicht bis auf nur noch einen großen Schritt, den macht er beherzt, hat die Möwe fest im Griff und es gelingt ihm, das Netzt zu lösen.

Aufkreischend nach Möwenart verschwindet das so befreite Tier.

Freund für ein langes Möwenleben

Als der alte Fischer in den nächsten Tagen zum Hafen kommt, sein Boot klar macht, die Netze parat legt, begrüßt ihn ein ungewöhnliche Team: an der Kaimauer stehen die fünf Hafenkatzen und als Sechste – seine Möwe. Mit dem ihm schon bekannten gellenden Schrei kommt sie zu seinem Boot, setzt sich auf ihren Stammplatz, und einfach wieder da.

Die Fischerkollegen nehmen das Ganze gelassen. Sie sagen: „Unser Hafen ist etwas Besonderes – wir haben jetzt sechs Katzen, eine davon ist eine Möwe.“. Und alle wissen: ertönt der besonders grelle Möwenschrei, ist der alte Fischer nicht weit, sie gehört zu ihm und zu seinem Boot.

Freunde in der Not, bleiben Freunde fürs Leben. Soviel zum Thema „Tiere haben keine Empathie“, da lachen ja die Möwen…

Was denkt Ihr? Schreibt es uns!