Stürme und Abbrüche auf Rügen

Blogger 15. Januar 2019 März 7th, 2019 Göhren, Inselgeschichte(n), Rügen-Blog, Rügen-Urlaub, Streifzüge

Achtung, Wanderer an den Steilküsten der Insel Rügen

Wieder toben die Winterstürme über unsere Insel hinweg. Die Buchen hoch am Ufer jammern und knarzen und greifen mit den Zweigen ineinander, als wollten sie sich halten. Wer nicht raus muss in die Botanik, der bleibt dankbar in geschützten Räumen. Wer das Inselwetter aber gerade so mag, der trotzt den heftigen Windböen, stellt sich der Küstenmischung aus Wellengischt, Sprühnebel und feinstem Pudersand und geht seine Wanderrouten. Ja, das hat schon was, ein Gang mit den Naturgewalten auf Du und Du. Wie heißt es doch?

Wer am Meer will leben, muss im Sturm bestehen

„Wer am Meer will leben, muss im Sturm bestehen.“. Doch genau in dieser unmittelbaren Nähe zu unseren Küsten und den Wanderwegen, genau da liegt das Problem.

Unsere Steilküsten bestehen aus Geschiebemergeln und verschiedenen Sanden, die besonders an den Außenküsten durch die Brandung zurückgeschnitten werden.

Diese Küstenlandschaft hat ein kompliziertes Innenleben: neben Kristallin – und Sedimentgeschiebe, neben Tonnasen und Lehmschichten findet man eine Vielzahl an Geröll- und Kiesgemisch.

„Dem aufmerksamen Wanderer fallen an den Steilküsten schwarze, violette bis rötliche Sandlagen auf, die als Schwermineralseifen bezeichnet werden.“ (H. Kliewe) und die sich bei Sturmhochwasser schichtenweise mit Wasser anreichern.

Wenn es dazu noch tagelang Dauerregen gab, der den feinen Sand schwer und dicht werden ließ, gibt die Natur nach.

Und das tut sie nach den Gesetzen der Schwerkraft.

Abrutsche verändern die Küstenlinie über Nacht

„Verwitterung und Schwerkraft von Wind und Wasser wirken dabei mit den Transportkräften des Meeres Hand in Hand und bringen enorme Abrutschprozesse in Gang.“ (H. Kliewe).

Von den oberen Kliffkanten rutschen große Sedimentspakete schollenförmig in die Tiefe und hebeln Wurzeln aus, reißen Bäume mit, bewegen beängstigend große Bereiche Vegetation, verändern die Küstenlinie über Nacht.

Dieser Abrutschungsprozess kann sukzessive über einen längeren Zeitraum vorbereitet werden, das Abgleiten beginnt lautlos. Oft aber auch plötzlich, wie ein Erdbeben ändert sich alles, der bekannte Wanderweg ist nicht mehr da.

Vorsicht bei Wanderungen im Göhrener Hövt

So geschehen in den ersten Wochen des neuen Jahres am sogenannten „Grünen Rundwanderweg“ um das Göhrener Hövt.

Wanderer stehen vor überaus gefährlichen Abrutschungen und absolute Vorsicht ist geboten.

Und mein geliebter Baum? Mein ganz besonderer Freund mit dem „Baumloch“? (Wir berichteten an anderer Stelle) Dieser seltene, ungewöhnliche, für mich einmalige Kumpel? Der hat wie ein alter, kranker Zahn auf eine harte Nuss gebissen und sich der Notwendigkeit des Lebens gestellt. Die Wurzel war zu schwach und zu krank, der Wind, der Sturm der Ostsee übermächtig.

Also Achtung, Wanderer: Küstenwege meiden und beim Strandgang auch immer mal einen Blick nach oben riskieren!

Was denkt Ihr? Schreibt es uns!